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GP 05/18

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96 TREFFPUNKT Die Stimme

96 TREFFPUNKT Die Stimme zum Dialog erheben NRW AUF DIE ÜBERHOLSPUR: Dr. Henrik Schulte versprach ein ganzes Bündel an politischem Willen, um die Rohstoffgewinnung zu erleichtern. KOMPETENZ IM DIALOG: Moderierte Podiumsdiskussion mit (v.l.) Dr. Henrik Schulte, Dirk Riether (Dyckerhoff Beton), Dr. Christoph Dröge, Ramon Jansen (AVG), Jan Steufkens (Redsun), Christian Strunk (Koordinator „Zukunft Niederrhein“). GUT GEFÜLLT: Der Tagungsraum in den Weseler Niederrheinhallen platzte wegen des großen Zuspruchs durch die Teilnehmer fast aus den Nähten. FÜR MIRO VOR ORT: HGF Dr. Olaf Enger brachte sich aktiv in die Experten-Diskussion ein. Fotos: bwi Die prekäre Lage begleitet die Branche am Niederrhein bereits seit Jahren. Nicht ohne Grund führten die gemeinsamen Sorgen um die Zukunft der Sand- und Kiesgewinnung dort zur Gründung der Initiative „Zukunft Niederrhein“. Getragen wird sie seit 2008 von 13 Unternehmen mit zusammen 27 Werken. Seither sprechen sie hinsichtlich ihrer gemeinsamen Sorgen mit einer Stimme, und das zuletzt gerade wieder im Rahmen der Veranstaltung „Kies im Dialog“. Am 7. Juni 2018 fand in der Niederrheinhalle Wesel die mittlerweile dritte Veranstaltung der Dialog-Reihe statt. Sie stand unter der konkret fragenden Überschrift: „Rohstoffmangel am Niederrhein!?“. Wie stets bei diesem Termin suchte die Initiative gemeinsam mit Politikern, Wirtschaftsvertretern, Verwaltungsmitarbeitern, aber auch Mitgliedern regionaler Interessengruppen und Institutionen sowie Fachteilnehmern mit thematischem Bezug den direkten Dialog. Im Fokus standen dabei diesmal Maßnahmen zur Beseitigung der festgestellten Versorgungsengpässe, denn die Situation könnte nicht bedrohlicher sein. Trotz oder gerade wegen der Baukonjunktur, die boomt wie selten erlebt, tun sich landauf, landab Rohstofflücken auf. Sie sind nicht nur eine Gefahr für eine fachgerechte und zeitnahe Durchführung der dringend notwendigen Ertüchtigung der deutschen Infrastruktur, sondern im Vorausblick stehen auch die Grundlagen einer ganzen Branche zumindest in der Region auf dem Spiel. Ein dunkles Szenario für den Niederrhein, dem Zentrum mit den größten Lockergesteins-Reserven Deutschlands und Europas. Michael Hüging-Holemans musste als einer der Koordinatoren der Initiative ein düsteres Bild skizzieren, indem er verdeutlichte, dass elf der an „Zukunft Niederrhein“ angeschlossenen Werke in den kommenden fünf Jahren und weitere elf in den darauffolgenden fünf Jahren geschlossen werden müssten, weil die genehmigten Sand- und Kiesvorräte der Standorte erschöpft sind. Als Grund für das Szenario nennt Hüging-Holemans die restriktiven und langwierigen Genehmigungsprozeduren, um Bereiche für die Sicherung und Gewinnung oberflächennaher Bodenschätze (BSAB-Flächen) auszuweisen, die eigentlich mindestens 20 Jahre im Voraus für die Sicherung des Bedarfs ausreichen sollten. Er fasste die Situation zusammen: „Eine Besserung ist nicht einmal in Sicht. Im Moment fahren wir sehenden Auges direkt in die Versorgungskrise. Es ist allerhöchste Zeit, mit Entschlossenheit das Ruder herumzureißen.“ Wann folgen welche Taten? Schon diese Tatsache allein lässt es mehr als opportun erscheinen, sich im kompetenten Rahmen über dieses Thema auszutauschen. Und wie gut die Initiative ver- GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/2018

TREFFPUNKT 97 netzt ist zeigte sich schon vor Beginn: Wenn der Kies ruft, sind alle zum Dialog bereit, und so konnten sich die Veranstalter wieder über mehr als 100 Teilnehmer freuen. Den zentralen Leitfragen widmete sich der weitere Verlauf: Welche Auswirkungen hat ein Rohstoffmangel? Was sind die Gründe für die Versorgungsengpässe? Wie können Flächennutzungskonflikte zukünftig effektiver gelöst werden? In diesem Zusammenhang hielt Dr. Hendrik Schulte, seit der NRW-Wahl Staatssekretär im Verkehrsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen, einen Vortrag mit dem vielsagenden Titel: „So kommt NRWs Infrastruktur auf die Überholspur“; eine gelungene Anspielung auf die immensen Anforderungen allein der Bauleistungen, die eine Ertüchtigung der Verkehrswege in nächster Zukunft dringend benötigen. In diesem Zusammenhang eröffnete der Politiker die Aus arbeitung eines Masterplans zur Umsetzung des Fernstraßenplans, der bereits in Durchführung sei. Dazu seien konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht worden. So wurde eine Stabstelle Baustellenkoordinierung gegründet mit dem vorrangigen Ziel der Reduzierung gegenseitiger Behinderungen. Dr. Schulte sprach sich dafür aus, in Zukunft bei Ausschreibungen Nebengebote zuzulassen sowie Bauzeiten als Angebotskriterium einzuführen. In einer Podiumsdiskussion mit munterer Beteiligung des Publikums wurde für die Beseitigung der Probleme in bedrückender Vielfalt eine ambitionierte Zeitschiene eingefordert. Auch äußerten die Teilnehmer ganz klar ihre Überzeugung, dass die nachhaltigste Form der Rohstoffnutzung die ortsnahe Verwendung heimischer Rohstoffe sei. Abgesehen vom „kleinen Grenzverkehr“, der hier und da wegen der Abnehmernähe durchaus zu vertreten ist und sich in der Summe ausgleicht, gilt es, die einsatznahe Verwendung einzufordern, zumal großflächige Importe kaum realisierbar sind. Neben dem ökologischen Plus sei das auch im Sinne der notwendigen Güteüberwachung. Diese würde auch der oft als ultimativen Heilsbringer missverstandenen alternativen Verwendung von Recyclingbaustoffen diverse Grenzen aufzeigen. Da, wie Dr. Christoph Dröge (Landesbetrieb Straßenbau NRW) ausführte, auch bei Engpässen beim Transport kurzfristig nur an wenigen Schräubchen gedreht werden könne, gelte es, die richtigen Weichen zu stellen, damit Lieferschwierigkeiten in den kommenden Jahren nicht weiter zunehmen. Dazu wollte die Initiative „Zukunft Niederrhein“ ihren Beitrag leisten und verschiedene Lösungsansätze erörtern. Denn die Unternehmen sind gut organisiert und scheuen sich nicht, im immer aktuellen Themenbereich auch den Finger in die Wunde zu legen und hartnäckig um ihre Interessen zu kämpfen. Das trifft auf zahlreiche offene Ohren, wie die Veranstaltung „Kies im Dialog“ wieder eindrucksvoll und unmissverständlich zeigte: Die Veranstaltung wird beachtet – die Branchenvertreter haben Gewicht! (bwi) www.zukunft-niederrhein.de UMWELTPAKT BAYERN Bayerisches Umweltministerium und BIV starteten erfolgreiche Veranstaltungsreihe Insgesamt 80 Teilnehmer in drei Veranstaltungen in Nürnberg, Fürstenfeldbruck und Deggendorf konnten sich einen exklusiven und detaillierten Einblick in die Arbeitshilfe zur Bayerischen Kompensationsverordnung für Vorhaben der Rohstoffgewinnung verschaffen. Mit hochkarätigen Referenten aus dem Bayerischen Umweltministerium, dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und dem Planungsbüro Dr. H. M. Schober konnten bisher offene Fragen zur Umsetzung in der Praxis für die Renaturierung von Gewinnungsstätten beantwortet werden. Christine Brahm vom LfU und Johannes Pain vom Bayerischen Umweltministerium gaben eine Einführung PUNKTE SAMMELN mit der richtigen Idee und Strategie. Wertvolle fachliche Ratschläge vermittelt die in Bayern gestartete Info-Reihe. Foto: gsz in die Arbeitshilfe und das neue System für die Kompensation von Eingriffen in die Natur. Fallbeispiele zur Anwendung der Arbeitshilfe kamen von Andreas Pöllinger vom Ingenieurbüro Dr. H. M. Schober. Einen Schwerpunkt bildeten hier Vorzeigeprojekte, wie beispielsweise die Berücksichtigung temporärer Biotope. In der anschließenden Diskussion konnten unter anderem Fragen zur Einrichtung von Ökokonten auf ehemaligen Rohstoffgewinnungsflächen vertieft werden. Praxis-Tipps gab es aus erster Hand für konkrete Kompensationsmaßnahmen. Die Referenten konn ten die Fülle an Anfragen aus verschiedensten individuellen Situationen mit wertvollen fachlichen Ratschlägen beantworten. Eine Gelegenheit für Referenten und Teilnehmer, sich in einem exklusiven Kreis auszutauschen. www.biv.bayern 5/2018 GESTEINS PERSPEKTIVEN

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