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GesteinsPerspektiven 02/20

32 DIGITALISIERUNG –

32 DIGITALISIERUNG – AUTOMATISIERUNG – SENSORIK GP-Interview: „Schüttflix liefert, wenn andere noch reden” CHRISTIAN HÜLSEWIG: „Das erste Jahr war grandios. Wir haben gemeinsam mit unseren über 600 Partnern bereits mehr als 3000 Lieferungen realisiert.“ Initiator von Schüttflix ist der Logistikmanager Christian Hülsewig, der über zehn Jahre internationale Erfahrung in führenden Positionen im Logistikmanagement verfügt. Im GP-Interview schildert er seine Erfahrungen und Erwartungen. GP: Herr Hülsewig, Sie erwähnen, dass Sie das nicht ausgeschöpfte Potenzial der Logistik schwerer Massenschüttgüter überdeutlich bei einem eigenen Bauvorhaben erkannt haben. Wussten Sie gleich, dass dies Ihr neues Geschäftsfeld werden würde? Christian Hülsewig: Richtig, wir haben zu Hause einen Bauernhof, da finden mein Bruder und ich immer ein neues Bauprojekt. Die Lieferung von Schüttgut war dabei unser häufigster Frustpunkt. Die Idee, das Ganze endlich digitaler und effizienter für alle Beteiligten umzusetzen, hat sich dann in meinem Kopf festgesetzt. Glücklicherweise habe ich meinem heutigen Geschäftspartner Thomas Hagedorn diese Idee dann erläutert. Seine erste Reaktion war dann aber zunächst „Das klappt nie. Das läuft schon immer so!“. Als ich ihm meinen Ansatz dann aber genauer erklären konnte, war er Feuer und Flamme: Das machen wir gemeinsam! Er ist ja auch ein absoluter Experte auf dem Gebiet und außerdem selbst Gründer. Die nötige IT-Infrastruktur haben wir uns dann mit Experten aus der Logistik von Grund auf neu gebaut. So haben wir dafür gesorgt, dass unsere App seit Tag eins reibungslos läuft. Es ist anzunehmen, dass Sie dieser Entscheidung zusätzlich eine Marktanalyse vorangestellt haben. Das haben wir natürlich getan. Dabei sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Schüttgutmarkt über ein deutlich größeres Volumen als beispielsweise der Taxioder Fernbusmarkt verfügt. In diesen Bereich revolutionieren bereits digitale Unternehmen das Geschäftsmodell. Schaut man sich dann an, dass auf deutschen Straßen 150.000 Schüttgut-Lkw unterwegs sind, die einen durchschnittlichen Tagesumsatz von 1500 Euro erwirtschaften, ist die Rechnung ziemlich einfach. Zum Vergleich: Die rund 95.000 Taxen schaffen nur durchschnittlich 300 Euro am Tag. Außerdem bietet die Schüttgutbranche ein großes Potenzial bei der Digitalisierung, wenn man sich ansieht, wie analog die Prozesse immer noch sind. Die Prozesse dauern Stunden, wenn nicht sogar Tage. Unsere App schafft das alles innerhalb von Sekunden. Wie zufrieden sind Sie nach etwas mehr als einem Jahr Echt-Betrieb? Läuft, würde ich sagen! Wir verzeichnen aktuell ein Wachstum von 50 % pro Monat und haben bereits die zweite Umsatzmillion knacken können. Die dritte ist nicht mehr weit. Und das nur ein Jahr nach Launch der App. Im Vergleich zu anderen Logistik-Start-ups ist Schüttflix damit deutlich schneller im Markt erfolgreich. Oder wie Bitkom-Präsident Achim Berg gesagt hat: „es gibt keine Branche, die nicht durch Plattformen umgekrempelt werden könnte. Dafür ist Schüttflix ein sehr gutes Beispiel.“ Wenn Sie Ihren Erfolg an den bewegten Tonnen messen, haben Sie sich mit Baustoffkörnungen aus Sand, Kies und Naturstein genau die richtigen Schwergewichte ausgesucht. Aber Spaß beiseite: Ist es für den Plattformaufbau ein Vorteil, sich zuerst einmal auf diese wenigen Produkte in breiter Rezeptur zu konzentrieren? Absolut. Was wir machen, machen wir richtig. Auch wenn viele es nicht glauben, Sand, Kies & Co lassen sich gut standardisieren und damit fantastisch digitalisieren. Welche Ergänzungen können Sie sich für die Schüttflix-App in Zukunft vorstellen? Aktuell beschäftigen wir uns mit der Vermeidung von Leerfahrten. Das ist ein Riesenthema. Dabei kann eine Lösung sein, dass unsere Lieferanten und Spediteure nicht nur Schüttgut zielgenau, transparent und günstig liefern, sondern auch vor Ort anfallende Böden direkt mitnehmen. Außerdem können wir uns vorstellen, Schüttflix als Projekt-App weiterzuentwickeln, in welcher dann gesammelt Bestellungen von Schüttgütern oder Maschinen getätigt werden könnten. Was war Ihnen bei der Entwicklung der App besonders wichtig? Eine App muss vom Start weg problemlos laufen! Wenn wir allen sagen: „Hier habt ihr eine App, mit der ihr Schüttgut bestellen könnt“ und die bei der ersten Nutzung dauernd abstürzt, verliert man sofort Vertrauen. Deshalb war uns eine perfekte technische Grundlage besonders wichtig. Die konnten wir dank der richtigen Programmierer auch bereitstellen. Bis heute läuft sie ohne Probleme. Der zweite wichtige Punkt ist, dass so eine App intuitiv benutzt werden soll. Niemand soll sich lange durch Menüs oder Einstellungen arbeiten müssen. Die Schüttflix-App ist für jeden einfach zu bedienen und zu nutzen. Nicht nur für unsere Kunden, sondern gerade auch für unsere Partner – die Lieferanten und Spediteure. Sie haben ihre Auftragsplanung jetzt ohne nervigen Papierkram jederzeit in der App zur Hand. GESTEINS Perspektiven 2 | 2020

SENSORIK – AUTOMATISIERUNG – DIGITALISIERUNG 33 Das Vertrauen in rein digitale Systeme ist speziell bei den Verantwortlichen in Steinbrüchen, Kies- und Sandgruben nicht ganz vorbehaltsfrei – wenngleich, wie Sie sagen, ein Wandel zu spüren ist. Wie flankieren Sie Ihren Netzwerkauf- und -ausbau mit dem Ziel einer bundesweiten Abdeckung noch? Unsere Partner überzeugt meist ein einfaches Argument: mit Schüttflix müssen sie nicht mehr auf ihr Geld warten. Bei uns ist es am nächsten Tag schon da. In Sachen Vertrauen legen wir damit ein starkes Fundament. Außerdem funktioniert Schüttflix zwar zu 100 % digital, ist aber alles andere als eine anonyme Plattform. Da alle wesentlichen Prozesse automatisch ablaufen, können wir uns noch besser um unsere Partner und Kunden kümmern. Wer also Fragen hat, bekommt bei uns Antworten von Menschen, die sich auskennen und darum kümmern, dass am Ende alle Beteiligten zufrieden sind. Darum setzen wir im Außendienst auf echte Experten, die wissen, wovon sie reden. Und mit wem. So überzeugen wir nach und nach Lieferanten und Spediteure. Mit mehr als 600 Partnerunternehmen haben wir schon heute die größte Marktabdeckung in Deutschland und beliefern ganz Nordrhein-Westfalen innerhalb von vier Stunden nach Bestellung. In welchen anderen Bundesländern kommen Sie nach dem erfolgreichen Pilot NRW gefühlt am besten voran? Es spricht sich auf jeden Fall herum, dass mit Schüttflix ein Unternehmen endlich die Digitalisierung vorantreibt, die der Schüttgutmarkt braucht. Die Nachfragen kommen von überall. Im Fokus stehen für uns allerdings derzeit ganz klar Berlin, das Gebiet rund um Dresden, Leipzig, Zwickau und Chemnitz sowie der Südwesten. Und natürlich strecken wir uns längst aus NRW heraus nach Niedersachsen und Hessen. Seit November 2019 ist Sophia Thomalla nicht nur Markenbotschafterin, sondern auch Schüttflix-Gesellschafterin. Hand aufs Herz: Haben Sie selbst einen „Schüttstorm“-Kalender im Büro und welche Resonanzen haben Sie bisher generell auf diesen Coup erhalten? Als wir Sophia im letzten Jahr fragten, ob sie sich vorstellen kann, unser Gesicht zu sein, haben wir sehr schnell gemerkt: Wir reden hier auf Augenhöhe! Sophia weiß, was es heißt, anzupacken, und spricht die Sprache der Jungs und Mädels auf den Baustellen. Das bekommen wir immer wieder als Feedback zurück. Sie als Gesellschafterin an Bord und als Kalender an der Wand zu haben, ist ein echter Knaller! An welchen Messen werden Sie in diesem Jahr teilnehmen? Wir sind definitiv auf der steinexpo und der GaLaBau. Alles Weitere ist aktuell noch in Planung. Herr Hülsewig, wir danken Ihnen für das Gespräch und wünschen Schüttflix weiterhin viel Erfolg! (gsz) Verbessern Sie jetzt den CO2 Fußabdruck Ihres Unternehmens! PRAXIS EDV-Betriebswirtschaft- und Software-Entwicklung AG Lange Straße 35 | D 99869 Pferdingsleben | www.praxis-edv.de BauELSE - Papierlos miteinander arbeiten.

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