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GesteinsPerspektiven 02/20

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30 DIGITALISIERUNG – AUTOMATISIERUNG – SENSORIK Hürdenlose Lieferbezieh SCHÜTTFLIX ist die erste Logistikdrehscheibe für die Schüttgutbranche, die digital funktioniert und analog binnen vier Stunden Sand, Schotter und Splitt auf den Punkt liefert. Vor etwa 20 Jahren platzte die Dotcom-Blase. Gekennzeichnet war sie durch ein Überangebot an Internet-Portalen ohne substanziellen Gewinn für potenzielle Nutzer. Aus der analogen Wirtschaftswelt tönte ein „Das haben wir doch gleich gesagt“-Raunen. Dennoch: Wer es verstand, flinke Bits und Bytes mit immer wachsendem Nutzwert zu verknüpfen, überlebte nicht nur, sondern wuchs wie Amazon oder Google zum Giganten. Die Idee, Nachfrage, Angebot und Logistikkompetenz für mineralische Massenbaustoffe auf einer gemeinsamen digitalen Plattform zu bündeln, hat also berühmte Vorbilder, mit Schüttflix zudem den passenden Namen und eine überregionale Erfolgsstory zum Ziel. EINE IDEE, DIE ALLES VERBINDET: Die Gesellschafter Christian Hülsewig (CEO), Thomas Hagedorn (l.) und Sophia Thomalla bringen ihre jeweiligen Kernkompetenzen bei der Führung und weiteren Entwicklung des Unternehmens ein. Natürlich hatten wir bei GP schon vom Logistik-Startup Schüttflix aus Gütersloh gehört. Auf der recycling aktiv 2019 zeigte das noch junge Unternehmen Präsenz und spätestens seit Sophia Thomalla im vergangenen November als Gesellschafterin und Markenbotschafterin einstieg, ist auch Schluss mit der Behauptung, unsere Gesteinsbranche sei nicht sexy! Schauen wir also, was daraus wird – am besten vorerst von Weitem. Die Begründung, dass Kies und Sand schließlich knapp würden und Logistik hier federnd wirken könne, ließen wir nicht so recht gelten. Ausgefeilte Logistik heißt noch nicht, dass die Rohstoffverfügbarkeit der transportsensiblen Güter Sand, Kies, Schotter und Splitt steigt, wenn der GESTEINS Perspektiven 2 | 2020

SENSORIK – AUTOMATISIERUNG – DIGITALISIERUNG 31 ungen per App Genehmigungsstau derselbe bleibt. Allerdings, so der Einwand von Schüttflix-Seite, wird dabei die Ineffizienz des weitestgehend analogen Marktes außer Acht gelassen, welcher nach wie vor regional extrem fragmentiert und intransparent ist. Das wiederum stimmt auch, also schauen wir uns jetzt passend zum IT-Schwerpunkt genauer an, wie Schüttflix als erste Logistikdrehscheibe für Schüttgüter das Beste aus der analogen und digitalen Welt zusammenbringt. Aus Erfahrungen wachsen Geschäftsideen Viele Erfolge der Gegenwart wurzeln in eigenen Erfahrungen der Vergangenheit, bei denen man denkt, „das muss doch besser gehen“. Nicht anders ging es Christian Hülsewig. Der Gründer und CEO von Schüttflix stellte bei einem privaten Bauvorhaben fest, wo es beim Bauen und den Anlieferungen hakt. Als ehemaliger Microsoft-Manager mit Logistikprozessen und Lieferketten auf Du und Du, überlegte er, ob sich Bestellprozesse speziell für große homogene Baustoff-Massenströme in der Bauwirtschaft nicht standardisieren, vereinfachen und so weit wie möglich automatisieren lassen. Um das schlüssig zu beantworten, ist es essenziell, jemanden zu kennen, der sich mit den relevanten Prozessen und Lieferketten auskennt. Unternehmer Thomas Hagedorn hatte genau dieses Rüstzeug. Beide beschlossen als Partner das System Schüttflix zu entwickeln. Dem Angebot in der Breite für externe Nutzer ging 2018 eine umfangreiche Testphase voraus. Das digitale und mobile Lieferprogramm wurde auf den eigenen Baustellen der Unternehmensgruppe Hagedorn erprobt und konnte praxisgerecht reifen, während parallel acht Softwareentwickler das gesamte IT-System inklusive IOS- und Android-App innerhalb von sechseinhalb Monaten anwendungsreif programmierten. Seit 2019 ist die Schüttflix-App im App-Store zum kostenlosen Download hinterlegt und bringt seitdem Nachfrage und Angebot auf unkomplizierte Weise zusammen. Bauunternehmen geben ihr Gesuch ein, Lieferanten für Sand, Kies, Splitt und Schotter ihr Preisangebot aus derzeit 40 verschiedenen hinterlegten Norm- Kornspektren. Ergänzt um die Transportkosten von Spediteuren errechnet sich für Kunden ein verbindlicher „Frei-Bau-Preis in Euro/t“. Dabei lässt der Digitalbaukasten natürlich Mischformen zu, wonach die Nachfrage mit Abholung oder auch das Angebot mit Lieferung vereinbart werden können. Schüttstorm Mit der Markenbotschafterin durchs Kalenderjahr Botschafterin zu sein, war ihr zu wenig – wenn schon, dann wollte Sophia Thomalla auch Gesellschafterin von Schüttflix werden. Und wenn sich eine Frau wie sie etwas in den Kopf gesetzt hat, dann klappt das natürlich. So hat das Gütersloher Digital-Start-up seit November ein Gesellschaftertrio, wobei der weibliche Part 2020 praktisch jeden Tag Präsenz zeigt – zumindest in allen Baubuden, Containern und Büros, wo unter dem Motto „Jeden Tag einen Schüttstorm“ der Schüttflix-Kalender 2020 hängt. Sophia Thomalla hat sich hier mit viel Sand, Schotter und Baufahrzeugen großformatig in Szene setzen lassen. Herausgekommen sind zwölf einzigartige Kalendermotive in ungewöhnlicher Bildsprache. Ob noch Exemplare verfügbar sind, wird bei Interesse ein Klick auf www.schuettflix.de/kalender verraten. www.schuettflix.de Angebot kommt auch bei Traditionsunternehmen gut an Als erste digitale Logistikdrehscheibe für die mineralische Schüttgutbranche hat Schüttflix seit dem Start der App Anfang 2019 bis heute bereits über zwei Millionen Euro Umsatz erzielt und mittlerweile Lieferungen von über 85.000 t Material initiiert sowie abgerechnet. Die durchschnittliche monatliche Wachstumsrate lag bei über 50 % und das Digital-Start-up zieht knapp ein Jahr nach dem Start zu Recht eine extrem positive Bilanz seiner bisherigen Unternehmensentwicklung. Konzentrierten sich die Gütersloher Macher im ersten Jahr vor weiter auf Seite 34 >> SCHÖN ANALOG: „Manche sagen ja, dass man keinen richtigen Kalender zum Anfassen mehr macht. Das sehen wir bei Schüttflix aber ganz anders“, stellt Sophia Thomalla ganz richtig fest. Etwa 2000 Kalender wurden innerhalb weniger Wochen bestellt. Fotos: Schüttflix 2 | 2020 GESTEINS Perspektiven

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