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asphalt 06/19

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42 Technik

42 Technik Instandsetzungsverfahren Dünne Asphaltdeckschichten im Kalteinbau – vielseitig einsetzbar In 2018 hat die Hansestadt Lübeck eine Zustandserfassung- und Bewertung (ZEB) ihrer Haupt- und Nebenstraßen durchführen lassen. Die Zahlen waren so alarmierend, dass sich die Stadt entschloss, schnell zu handeln. Dabei wurde auch die hochfrequentierte Straße Beckergrube zur Herausforderung. Possehl Spezialbau hatte eine Lösung. 02 01 Oliver Neß kennt sich aus in seiner Stadt. Der Sachgebietsleiter Straßenerhaltung bei der Hansestadt Lübeck schaut mit kritischem Blick auf die Straßen und erkennt die Schäden. Dafür braucht er keine speziellen Erfassungsgeräte, die die Fahrbahnschäden im Rahmen der ZEB aufgenommen haben. 45 % der Hauptverkehrsstraßen und erschreckende 66 % des Nebenstraßennetzes befindet sich in einem Zustand oberhalb des sogenannten Warnwertes. Um den Verfall der Straßeninfrastruktur aufzuhalten, erhält der Bereich Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck ab 2021 ein jährliches konstantes Budget in Höhe von 10 Mio. Euro – zunächst für die Dauer von fünf Jahren. Nach Ablauf der fünf Jahre wird eine erneute Befahrung aller Straßen vorgenommen, um einen aktuellen Sachstand zu erhalten. Neß weiß auch, dass Sanierungsarbeiten bei einigen Straßen leichter fallen als bei anderen. Die Beckergrube beispielsweise ist eine der Hauptverkehrsadern in der Hansestadt. „Hier muss eine Sperrung für notwendige Arbeiten sehr gut vorbereitet sein und darf etwa nicht mit anderen Baustellen auf den Ausweichstrecken kollidieren“, berichtet er. Was, wenn die städtischen Behörden diese Zeit nicht haben und ein Eingreifen dringend erforderlich ist, um die Wiederherstellung der Verkehrssicherheit zu gewährleisten? Dann bietet sich beispielsweise der Einbau einer Dünnen Asphaltdeckschicht in Kaltbauweise (DSK) an. Seit 2012 wendet Lübeck dieses Instandsetzungsverfahren an. „Wir haben rund 500.000 m² Straßenfläche damit bereits instand gesetzt“, sagt Neß und es sollen in den kommenden Jahren noch einige Quadrat- 6|2019

Technik 43 meter dazukommen. Bei dem Verfahren wird das Mischgut in selbst fahrenden Misch- und Verlegeeinheiten kontinuierlich hergestellt und mit steuerbaren Verteilergeräten über die gesamte Fahrstreifenbreite in der Regel zweischichtig eingebaut, wobei die erste Schicht dem Profilausgleich dient. Sebastian Miesem, Leiter der Abteilung Technik für Possehl Spezialbau, benennt weitere Vorteile, wie etwa, dass sich die DSK durch eine schnelle Verkehrsfreigabe und geringe Herstellkosten auszeichnet, was insgesamt zu einem sehr wirtschaftlichen Preis-Leistungs-Verhältnis führt. Daneben ist es vor allem aber eine sehr schnelle Bauweise, die überall dort zum Einsatz kommen kann, wo bei neuralgischen Punkten schnelle Lösungen gefragt sind. Miesem führt dazu aus: „Hier in Lübeck war die Asphaltdeckschicht nach gerade einmal 15 Minuten wieder befahrbar.“ Gerade im Hochsommer kann dies ein entscheidender Vorteil gegenüber den deutlich längeren Auskühlzeiten beispielsweise bei Ersatz der Asphaltdeckschicht (EAD) sein. Darüber hinaus trägt eine DSK auch zur Lärmminderung bei. Hierzu erläutert Miesem: „Wir konnten durch Messungen im Auftrag der Gütegemeinschaft AKB nachweisen, dass auch DSK-Asphalt eine lärmmindernde Wirkung entfaltet. Das mögliche Lärmminderungspotenzial liegt innerstädtisch bei ca. 3,0 bis 5,0 dB(A).“ In Lübeck wurde zunächst eine Schicht DSK 8 eingebaut. Damit wurde der notwendige Profilausgleich erzielt. Im Anschluss kam als zweite Schicht ein DSK 5 zum Einsatz. Die Gesamtdicke beider Schichten beträgt hier gerade einmal etwas mehr als 1 cm, was zu nur geringen Regulie- „Hier in Lübeck war die Asphaltdeckschicht nach gerade einmal 15 Minuten wieder befahrbar“ rungsarbeiten führt und die angrenzenden Bordanlagen nicht weiter beeinträchtigt. Beim Einbau galt es vor allem, die ,,Technischen Lieferbedingungen für die Bauliche Erhaltung von Verkehrsflächenbefestigungen, Teil: Güteüberwachung, Teil: Ausführung von Dünnen Asphaltdeckschichten in Kaltbauweise‘‘ (TL G DSK-StB) zu beachten. Mit diesem R1- Regelwerk der FGSV und mit dem Gütesiegel der Gütegemeinschaft AKB für Asphalt-Kaltbauweisen zur Erhaltung von Straßen werden die hohen Qualitätsanforderungen klar definiert und gleichzeitig die ständige Kontrolle von Herstellung und Verarbeitung garantiert. „Beim DSK-Verfahren geht es unter anderem darum, eine möglichst dauerhafte Lösung von acht Jahren oder mehr einzubauen, zudem können wir bei verschiedentlichen Anwendungsfällen schnell Abhilfe verschaffen“, berichtet Miesem. Gleichzeitig macht er darauf aufmerksam, dass die Haltbarkeit einer DSK unter anderem in einer Langzeitstudie mit verschiedenen Asphaltbauweisen auf der BAB A659 von 1990 bis 2005 nachgewiesen wurde. „Die Ergebnisse des Monitorings sprechen für sich“, so der Possehl-Mitarbeiter, „zwischen den dort gewählten Instandsetzungsverfahren DSK und SMA konnten keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Nutzungsdauer festgestellt werden. Zusätzlich konnte im Zuge einer umfassenden Untersuchungsreihe von mehr als fünfzig über ganz Deutschland verteilte Messstrecken ein ausreichend hohes Griffigkeitsniveau bei einer Nutzungsdauer von über zehn Jahren nachgewiesen werden.“ Das Verfahren kann durch den geringeren Rohstoffbedarf, den Wegfall der Asphaltmischgutherstellung im stationären Mischwerk und zahlreicher Zwischentransporte mit einer sehr guten CO 2 -Bilanz in Herstellung und Einbau überzeugen. In der Betrachtung des Primärenergieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen je Quadratmeter Asphaltdeckschicht hat die Bauweise DSK unter den Instandsetzungsverfahren nach den Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien von Verkehrsflächenbefestigungen – Asphaltbauweisen (ZTV BEA-StB 09/13) jeweils die Nase vorne. Insbesondere können kommunale Bereiche durch die geringen zu bewegenden Materialmengen und den dadurch geringeren Lastverkehr auch hinsichtlich der innerstädtischen Emissionskennzahlen von dieser Bauweise profitieren. Hin Kontakt: www.possehl-spezialbau.de 03 Bild 01 Die Verdichtung bei DSK übernimmt die statische Gummiradwalze. Bild 02 Oliver Neß (l.) und Sebastian Miesem (r.) in Lübeck. Bild 03 DSK ist ein schnelles Verfahren: 15 Minuten vom Einbau zur Nutzung. (Quelle: DAV/hin) 6|2019

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