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asphalt 06/19

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36 Technik Eurobitume

36 Technik Eurobitume Sicheres Arbeiten mit Bitumen Die Förderung und Unterstützung zum sicheren Umgang mit Bitumen ist eines der vorrangigen Ziele von Eurobitume. Der Leitfaden zur sicheren Anlieferung von Bitumen des Interessenverbandes der Bitumenindustrie in Europa ist gerade in aktualisierter Neuauflage für Deutschland erschienen. Darin werden bewährte Arbeitsmethoden, Sicherheitsstandards und rechtliche Vorgaben berücksichtigt und auf eine Reihe weiterer Veröffentlichungen Eurobitumes zum Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz Bezug genommen. von Dr. Anja Sörensen Bitumen wird meist heiß geliefert und teilweise mit Druck entladen. Der sichere Umgang mit Bitumen sowie die Einhaltung aller Vorgaben ist daher dringend notwendig, um das Risiko von Verbrennungen oder Verletzungen im Zusammenhang mit der Lieferung des Bindemittels, aber auch Schäden der Umwelt und der Ausrüstung zu minimieren. Ziel des Eurobitume-Leitfadens zur sicheren Anlieferung von Bitumen ist die Unterstützung aller Beteiligten, ihre individuellen Verantwortlichkeiten zu Sicherheits- und Umweltbelangen während des Anlieferprozesses zu erfüllen. In Europa ist es die gesetzliche Verantwortung jedes Arbeitgebers, Gefährdungen für Gesundheit und Sicherheit aus der Arbeitstätigkeit zu beurteilen und Maßnahmen zu ergreifen, die Sicherheit von Arbeitnehmern und Öffentlichkeit sicherzustellen. Der bisherige Leitfaden wurde auf Grundlage europäischer gesetzlicher Vorgaben und des ADR (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße) aktualisiert. Bei der Aktualisierung des Leifadens sind Erfahrungen eingearbeitet worden, die bei der Umsetzung der Vorgängerversion in ganz Europa gemacht wurden. Darüber hinaus enthält die Fassung des Leitfadens für Deutschland Anpassungen und Informationen entsprechend den hiesigen Gegebenheiten. Mit der Veröffentlichung werden die Mindeststandards der Industrie für Planung, Ausrüstung und Verfahren unter Berücksichtigung der geltenden Gesetze, Verordnungen, Regelungen und Erfahrungen definiert. Bewährte Arbeitsmethoden, „Best practise“, werden in folgenden Bereichen beschrieben: 1. Kundenanlieferstelle 2. Persönliche Schutzausrüstung 3. Straßentankwagen 4. Betrieb und Wartung von Kundenlagertanks und Rohrleitungen 5. Anlieferungsverfahren 6. Bitumenspezifische Schulung 7. Unterlagen zum sicheren Umgang mit Bitumen Beispielhaft nachfolgend einige Auszüge: Maximale Temperaturen Für empfohlene und maximale Lager- und Verarbeitungstemperaturen sind die Sicherheitsdatenblätter des Bitumenlieferanten zu beachten. Die Lagertemperaturen dürfen die von Eurobitume festgelegten maximalen Verarbeitungstemperaturen nicht überschreiten. 18 Anhang 2: Persönliche Schutzausrüstung Mindestanforderung für die persönliche Schutzausrüstung (PSA) für alle Personen im Bereich des Entladepunktes. An einzelnen Standorten können zusätzliche Anforderungen an die PSA gestellt werden. Die relevanten EN-Normen müssen bei der Bestellung von PSA angegeben werden. 1. Industrieschutzhelm, vorzugsweise mit Kinnriemen 2. Vollvisier zum Schutz des Gesichtes 3. Schutzbrille 4. Nackenschutz 5. Hitzebeständige Schutzhandschuhe mit langen Stulpen 6. 100%-Baumwoll-Schutzanzug, feuerhemmend (mit Proban ® oder vergleichbar behandelt), vorzugsweise mit reflektierenden Markierungen 7. Die Hosenbeine müssen über den Stiefelschaft reichen. 8. Sicherheitsstiefel, die schnell ausziehbar sind Anmerkung: Spezifische Anforderungen der Anlieferstelle an die PSA für Tätigkeiten außerhalb der 6-m-Zone sind möglich. Sichere Anlieferung von Bitumen – Version für Deutschland, 2018 Persönliche Schutzausrüstung für Fahrer und Anlagenpersonal Jeder, der sich im Umkreis von 6 m zum Entladepunkt aufhält, hat unabhängig von seinen Tätigkeiten die geforderte persönliche Schutzausrüstung (PSA) zu tragen. Vorgaben für die PSA enthält Anhang 2 des Eurobitume-Leitfadens zur sicheren Anlieferung von Bitumen, darüberhinaus können übergeordnete Standards und Anforderungen zu beachten sein. Die PSA muss in ordnungsgemäßem Zustand und für den Einsatzzweck geeignet sein. Die PSA muss allen Fahrern durch das Transportunternehmen und dem Anlagenpersonal vom Anlagenbetreiber zur Verfügung gestellt werden. Die PSA muss regelmäßig überprüft, gereinigt und ggf. ersetzt werden. Die Verantwortlichkeit liegt sowohl beim Benutzer als auch bei dem Bereitsteller der PSA. Vorbeugung von Verletzungen Im Umkreis von 6 m um den Entladepunkt dürfen sich nur Personen aufhalten, die mit dem Liefervorgang beschäftigt sind und die richtige 8 3 2 6 7 1 4 5 Quelle Eurobitume 6|2019

Technik 37 persönliche Schutzausrüstung tragen. Während des Entladevorganges ist es nicht gestattet, sich auf Lagertanks oder Tkw‐Auflieger aufzuhalten oder diese zu besteigen. Aus Sicherheits- und Qualitätsgründen sollten weder aus dem Tkw noch aus den Schläuchen Proben entnommen werden. Besteht die Notwendigkeit, eine Probe zu nehmen, sollte eine geeignete Entnahmeeinrichtung am Tank oder an der dazugehörenden Leitung vorhanden sein. Das Einatmen der beim Bedienen des Domdeckels oder von Ventilen entweichenden Dämpfen muss vermieden werden. Bei hohen Temperaturen kann der Gasraum im Tank Schwefelwasserstoff enthalten, der gefährliche Konzentrationen erreichen kann. Geeignete Kontrollmaßnahmen sollten angewendet werden, beispielsweise die Festlegung von Zonen, das Aufstellen von Informationstafeln und das Installieren von Detektoren, die das Erreichen der Arbeitsplatzgrenzwerte (OEL) anzeigen, oder Vorsorge für ausreichende Belüftung. Notduschen Mindestens eine Notdusche muss im Umfeld um die Entladestelle zur Verfügung stehen. Es wird empfohlen, die Notdusche mindestens 6 m, aber nicht mehr als 20 m von der Entladestelle vorzusehen. Ist die Notdusche näher als 6 m an der Entladestelle, muss sie vor den Einwirkungen von möglichen Bitumenspritzern geschützt werden. Die Notdusche muss für mindestens 15 min eine ausreichende Menge sauberen Wassers abgeben können; dies gilt auch in Frostperioden. Falls die Notdusche zeitweise nicht in Betrieb ist, müssen vor der Belieferung geeignete Alternativen eingerichtet sein. Der Betrieb der Notdusche muss auch in Stresssituationen einfach möglich sein, etwa durch Fußbetrieb. Planung des Lieferfahrzeuges Alle für die Entladung erforderlichen Teile des Fahrzeuges sollten vom Boden aus bedient werden können, um zu vermeiden, dass der Fahrer während der Entladung auf das Fahrzeug klettern muss. Sollte es doch erforderlich sein, dass der Fahrer auf das Fahrzeug klettert, muss eine Absturzsicherung vorhanden sein. Das Fahrzeug muss während der Entladung gegen Wegrollen gesichert sein. Für den Notfall muss das Fahrzeug mit einem separaten Schnellschlussschieber, der am besten mit mindestens zwei verschiedenen Einrichtungen an Leitfaden zur sicheren Anlieferung von Bitumen Version für Deutschland Der Leitfaden zur sicheren Anlieferung von Bitumen ist gerade in aktualisierter Neuauflage für Deutschland erschienen. (Quelle: Eurobitume) unterschiedlichen Stellen bedient werden kann, ausgestattet sein. Der Schnellschlussschieber sollte sich nicht im unmittelbaren Gefahrenbereich, etwa direkt am Auslauf, befinden. Rückfahrkameras und Rückfahrsensoren oder ähnliche Einrichtungen für Rückwärtsfahrten sollten eingerichtet sein. Akustische Warnsignale bei Rückwärtsfahrten sind eine sinnvolle Ergänzung. Die Position der 6|2019

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