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asphalt 04/20

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46 Technik Den Einbau

46 Technik Den Einbau der Deckschicht erledigten die Spezialisten von Leonhard Weiss. (Quelle: Storz) Die Südröhre des Doppeltunnels. (Quelle: Mahrholdt) Tunnel B31neu Asphalteinbau unter besonderen Bedingungen Mit großen Schritten geht die B31neu im Westen Friedrichshafens ihrer Fertigstellung entgegen. Auch die Arbeiten am und im Tunnel Waggershausen im Norden der Bodenseestadt sind bereits weit gediehen – in den vergangenen Monaten wurden die Fahrbahndecken in den beiden Röhren eingebaut. Ein Besuch vor Ort. Von Joachim Mahrholdt Es dröhnt, es ist laut, es ist heiß – kein Platz für geruhsame Betrachtungen. Was hier Mitte Dezember 2019 vor sich geht, ist ein permanenter Stress für alle Sinne. Und gleichzeitig eine bemerkenswerte Leistung an Präzision, Qualität und Geschwindigkeit: Die Rede ist vom Einbau der Asphalttrag- und -binderschichten im Tunnel Waggershausen. Storz-Bauleiter Alexander Himpel führt über die Baustelle. Eine Woche lang herrsche hier Ausnahmezustand aufgrund der besonderen Einbaubedingungen im und vor dem Tunnel, ruft er mit lauter Stimme dem Besucher ins Ohr. Hier muss man schon fast schreien, um sich zu verständigen. Diese Baustelle stelle spürbare Herausforderungen an die Logistik, weil das Mischgut auf Lkw mit Schiebetechnik umgeladen werden müsse. Und dann gelte es, den Tunnel mit seinen 700 m Länge zu bewettern, also mit starken Lüftern für Frischluft zu sorgen. Das alles sei Teamarbeit; entsprechend eng stimme er sich mit seinem Kollegen Ralf Schlachter, dem Bauleiter Asphalteinbau. Wir nähern uns dem Einbau. Vier Walzen führen hinter dem großen Asphaltfertiger einen Reihentanz auf, vor und zurück, ihre piepsenden Rückfahrwarner scheinen zu kommunizieren. Dazwischen unbeeindruckt Christian Hoffmann, Baustoffprüfer aus dem Tuttlinger Zentrallabor, der mit seiner Troxler-Sonde die Verdichtung des noch heißen Asphalts kontrolliert und dokumentiert. Bei Bedarf stimmt er die Walzübergänge mit den Walzenfahrern ab. „Zweimal 700 m, zwei Asphalttragschichten, dann Asphaltbinderschicht. Erst die Nordröhre, dann die Südröhre. Drei Schichten. Eine Woche lang. Am Montag sind wir durch!“ Alexander Himpel verzichtet auf Verben. Dafür spricht er noch lauter. Aber er macht klar: Hier passiert gerade etwas, auf das man lange hat warten müssen: Die beiden Tunnelröhren bekommen endlich ihre Fahrbahnen. Asphaltpolier Sergej Schreiner kommt hinzu. Auch er informiert wegen des Lärms in Kurzform: „Pro Röhre 5000 m² Fläche zu asphaltieren, zusammen rund 6500 t einzubauen. Mit einer Kolonne von zehn Mann.“ Die zahlreichen Kollegen an den Steuern der Lkw natürlich nicht mitgezählt. Ein Durchgang zur Südröhre entspannt die Situation kurzzeitig akustisch – man kann hier in normaler Lautstärke reden. Jetzt gehe es erst einmal um die Asphalttragund -binderschichten. Die Decke aus Gussasphalt folge frühestens im April. Doch gerade dieser Gussasphalt erfordere eine sehr hohe Ebenheitsgenauigkeit der Schichten darunter. Alexander Himpel: „Hier geht es nicht um Zentimeter, sondern um Millimeter!“ Der Respekt vor den Kollegen auf den Großgeräten und an der Bohle wächst. Sie bauen auf einer Breite von ca. 7,25 m in einem Zug ein. Hinter dem Fertiger tanzen die Walzen unermüdlich ihren Reigen, vor dem Beschicker die permanenten Annäherungsversuche der Thermomulden mit ihrer „heißen Ware“. Helle Decke aus Gussasphalt Inzwischen ist es April. Die Welt, so wie man sie vor wenigen Wochen kurz vor Weihnachten noch sorglos erlebte, hat sich deutlich verändert. Die Sorge um die eigene Gesundheit angesichts der Corona-Pandemie ist auch bei den Straßenbauern auf den Baustellen deutlich zu spüren. Und trotzdem geht es weiter. Auch im Tunnel Waggershausen. Hier wird jetzt die Fahrbahndecke aus Gussasphalt eingebaut. Dafür sind die Asphalt-Kollegen von Leonhard Weiss im Auftrag von Storz zuständig. Sie verfügen über die spezielle Ausrüstung. Diese Fahrbahndecke ist hell – sie fällt im Unterschied zu der bereits außerhalb des Tunnels eingebauten schwarzen Decke der neuen Bundesstraße in westlicher Richtung deutlich ins Auge. 4|2020

Technik 47 Die Teamchefs beim Einbau im Tunnel Waggershausen: Bauleiter Alexander Himpel, Asphaltpolier Sergej Schreiner und Ralf Schlachter, Bauleiter Asphalteinbau (v. l. n. r.). (Quelle: Mahrholdt) Die helle Deckschicht aus Gussasphalt soll später zur Verkehrssicherheit beitragen. (Quelle: Storz) Das sei vom Auftraggeber – der Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch die Deges – so gewollt und habe einen interessanten technischen Hintergrund, erläutert Storz-Bauleiter Himpel. Helle Fahrbahndecken in Tunnelbauwerken dienten der Verkehrssicherheit, weil sie die Straßenbeleuchtung und die Lichter der Fahrzeuge besser reflektierten als dunkle. So ließe sich auch der Energiebedarf der Beleuchtungseinrichtungen senken, was mit Blick auf die Betriebskosten ein nicht unerwünschter Nebeneffekt sei. Um die hellbraune Farbe der Oberfläche zu erzielen, streue man die frisch aufgebrachte Gussasphaltschicht mit Granusil ab, einem fast weißen Naturgestein. Der Einbau der Deckschicht erfordere wiederum sehr exaktes Arbeiten, wie auch zuvor schon bei den Trag- und den Binderschichten. Während im Westen des Tunnels die Fahrbahnen bis nach Immenstaad fertig asphaltiert sind und noch im Laufe dieses Jahres dem Verkehr übergeben werden sollen, warten im Osten noch einige größere Arbeiten. So ist die Verdolung des Mühlbaches in vollem Gange. Erst dann können die Erdarbeiten für die späteren Fahrbahnen beginnen. Asphalteinbau im Tunnel Waggershausen – das ist Arbeit unter besonderen Bedingungen. • AUTOR Joachim Mahrholdt joachim@mahrholdt.info · www.mahrholdt.info Wirtgen Neue Fräswerkzeuge für die Bodenstabilisierung Um aus ungenügend tragfähigem Untergrund gut einbaufähigen, verdichtbaren Boden zu erzeugen, ist die weltweit angewandte Bodenstabilisierung die Ideallösung. Dabei müssen unterschiedlichste Bodentypen von „stark bindig“ über „mit grobem Gestein durchsetzt“ bis zu „abrasiv“ bearbeitet werden. Für diese Anwendungen entwickelt Wirtgen spezielle Fräswerkzeuge. Neben den bislang gängigen Rundschaftmeißeln mit konventioneller Hartmetallspitze vervollständigen nun sogenannte Wirtgen-Compact-Carbide-Fräswerkzeuge (WCC) das Meißel-Programm für die Bodenstabilisierung. Die von Wirtgen neu entwickelten WCC-Fräswerkzeuge eignen sich aufgrund ihrer Werkzeuggeometrie und -materialien perfekt für das Durchmischen von bindigen, mit großen Gesteinsbrocken durchsetzten Böden. Sie verfügen über eine hochverschleißfeste Werkzeugschneide aus Hartmetall, die aufgrund der enormen Materialstärke extrem bruchstabil und somit schlagfest ist. WCC-Fräswerkzeuge sind in Abhängigkeit von ihrer Anwendung eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Rundschaftmeißel-Programm. Kontakt: www.wirtgen.com Wirtgen-Compact-Carbide-Fräswerkzeuge mit der extrem robusten Hartmetallschneide sind vor allem für das Stabilisieren von bindigen Böden, die mit großen Gesteinsbrocken durchsetzt sind, geeignet. (Quelle: Wirtgen) 4|2020

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