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asphalt 03/20

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30 Schwerpunkt: Temperaturabgesenkter Einbau Im Oktober 2019 wurde auf der Bundesautobahn A96 in München eine Erprobungsstrecke eingerichtet. (Quelle: DAV/hin) Neuartiges Additiv Gute Performance – wenig Emissionen Der neue Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Bitumenemissionen bei der Heißverarbeitung stellt die asphaltverarbeitende Industrie vor große Herausforderungen. Der Maximalwert für Dämpfe und Aerosole aus Destillations- und Air-Rectified-Bitumen (angeblasene Bitumen) wurde auf 1,5 mg/m³ festgeschrieben. Damit folgte der deutsche Gesetzgeber den Empfehlungen des Ausschusses für Gefahrstoffe (AGS) der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. Das Problem: Die aktuellen Konzentrationen in der Arbeitsplatzluft liegen um ein Vielfaches höher, und persönliche Schutzausrüstungen stoßen im Straßenbau an ihre Grenzen. Von Markus Oeser, Michael Zeilinger und Nicolás Carreño Gómez Der neue Grenzwert für die Bereiche Walz- und Gussasphalt mit einer regelmäßigen Berichtspflicht bleibt bis Ende 2024 ausgesetzt. Ein erster Zwischenbericht zu Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen soll aber bereits im Mai 2022 vorliegen. Trotzdem braucht die Industrie schnell Lösungen, um künftig den Grenzwert einhalten zu können und ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Arbeiter gerecht zu werden. Denn der Einsatz von Schutzausrüstungen wie etwa gebläseunterstützter Atemschutz ist nur bedingt praktikabel und stellt besonders in der heißen Jahreszeit eine weitere Belastung für die Beschäftigten dar. Das eingeschränkte Sichtfeld durch Atemschutzhauben und -helme birgt außerdem zusätzliche Gefahren auf Baustellen. Absaugungen an der Fertigerbohle sind dagegen technischer Standard, aber die damit verbundenen Investitionen (z. B. für Nachrüstungen) sind nicht unerheblich. 3|2020

Schwerpunkt: Temperaturabgesenkter Einbau 31 Absenkung der Verarbeitungstemperatur durch Additive Wie also könnte ein praxistauglicher und bezahlbarer Weg zur Verbesserung der Arbeitsluft aussehen? Einen wichtigen Beitrag leisten hier spezielle Verfahren zur Asphaltmodifikation, die eine Verarbeitung von Asphalt bei niedrigeren Temperaturen ermöglichen. Die Rechnung ist simpel – die Reduktion der Verarbeitungstemperatur führt zur Reduktion der Arbeitsplatzexposition. Als grobe Orientierung gilt: Bei einer Senkung der Mischguttemperaturen um 10 °C halbieren sich die Bitumenemissionen, also die Summe aus Aerosolen und Dämpfen. Stand der Technik bei der Herstellung von temperaturabgesenktem Asphalt sind viskositätsreduzierende Zusätze. Es handelt sich um organische (Fischer-Tropsch Wachse, Fettsäureamide, Montanwachse) und mineralische Additive (z. B. Zeolithe) oder oberflächenaktive Netzhaftmittel (Tenside) [1]. Wirkweise und Applikation an der Asphaltmischanlage sind in Tabelle 1 dargestellt. Eine Alternative zur Modifizierung direkt am Asphaltmischwerk ist der Einsatz gebrauchsfertiger Produkte, die bereits organische Zusätze enthalten. Im Vergleich zu herkömmlichen Straßenbaubitumen ist dabei eine sortenreine Betankung und ggf. eine Anpassung der Lagertemperaturen notwendig [1]. Unabhängig von Art der Zugabe und Wirkweise müssen die Additive viele Anforderungen auf einmal erfüllen: Zusätzlich zur Temperaturabsenkung sollen sie den erforderlichen Verdichtungsgrad und Hohlraumgehalt, eine gute Verarbeitbarkeit des Mischguts und eine gute Performance des Produkts Straße gewährleisten. Wir alle sind noch mehr gefordert, als es bislang schon der Fall war, die richtige Mischung zu finden und anzuwenden, rationales Denken und Handeln sowie Empathie ausgewogen und zum Wohle aller einzusetzen. Wir möchten uns an dieser Stelle zuallererst bei allen bedanken, die in diesen Tagen dafür sorgen, dass es weitergeht! Danke all den Ärzten, dem Pflegepersonal, den Apotheken, der Polizei, der Feuerwehr, den Rettungsdiensten, der Müllabfuhr, den Fuhrunternehmen, den Post- und Paketzustellern, unseren Landwirten und nicht zu vergessen den fleißigen Damen und Herren in all den Supermärkten und allen nicht genannten – sie alle leisten Überdurchschnittliches und gehen an ihre Grenzen. In der JRS unternehmen wir alles, um unsere Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen und unsere Kunden bestens zu versorgen. In Vertrieb, Service und Logistikfragen steht unser weltweites Team zur Verfügung! Wir setzen mit vereinten Kräften alles daran, die Lieferketten möglichst unterbrechungsfrei über die Krisenzeit zu bringen. Wir verstehen die aktuelle Situation als komplexe Herausforderung für uns alle – sei es im privaten wie im geschäftlichen Umfeld. Wir sind überzeugt: Gemeinsam werden wir es schaffen, das Virus einzudämmen und wieder zu unserem normalen Leben zurückzukehren. Horst Erdlen, GB Leitung Straßenbau J. RETTENMAIER & SÖHNE GmbH + Co KG Quelle: J. RETTENMAIER & SÖHNE Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit Verbesserungen im Arbeitsschutz durch niedrigere Bitumenemissionen machen den Straßenbau nachhaltiger. Ein weiterer wichtiger Baustein für mehr Nachhaltigkeit ist die Reduzierung des CO 2 -Ausstoßes. Dies ist bei der Herstellung von temperaturabgesenktem Asphalt der Fall, denn es wird weniger Heizenergie eingesetzt und damit weniger CO 2 emittiert. Auch ein hoher Anteil von Asphaltgranulat (AG) im Mischgut hilft, CO 2 einzusparen. Beispielsweise lassen sich die CO 2 -Emissionen bei der Asphaltherstellung um die Hälfte senken, wenn ein AG-Anteil von 50 Prozent verwendet wird. Allerdings kön­ Wachse Mineralien Tenside Wirkweise Einfluss auf Bindemittel Anwendung Viskositätsabsenkung des Bitumens bei hohen Temperaturen Kontinuierliche Abgabe von physikalisch oder chemisch gebundenem Wasser an das umgebende Bitumen in Form von feinen Gasbläschen und dadurch vor rübergehende Absenkung der Viskosität während der Verarbeitung des Asphaltmischgutes Herabsetzen der Oberflächenspannung zwischen Bitumen und Gestein (Haftverbesserer) Veränderung der Rheologie und Bitumeneigenschaften (EP RuK, Tieftemperaturverhalten) Bitumeneigenschaften bleiben unverändert Bitumeneigenschaften bleiben unverändert Zugabe in flüssiger (Aufschmelzanlage) oder fester Form (Ejektor) in den Bindemittelstrom oder Mischer Zugabe in fester Form direkt in den Mischer mit dem Füller (Zugabemenge wird dem Fülleranteil zugerechnet) Zugabe in flüssiger Form zum Bindemittel Tabelle 1: Wirkweise und Applikation von Zusätzen zur Herstellung von temperaturabgesenktem Asphalt [1]. 3|2020

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