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asphalt 03/20

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20 Schwerpunkt: Kontimessung Abbildung 4: Emissionen einer untypischen Mischung. Hier ein Beispiel für die Komplexität der Zusammenhänge: Bei einigen Rezepturwechseln wird auch ein Gesteinswechsel erforderlich. Dabei wird die Vordosierung gestoppt und in der Trockentrommel entsteht eine Leerphase, bevor die nächste Gesteinsart gestartet wird. Dies führt sofort zu einem Anstieg der C-Gesamt-Emissionen aufgrund der starken Veränderung des Sauerstoffwertes. Während dieses Umstellungsprozesses entstehen auch die Überschreitungen des RGW. Hier in unserem Beispiel ein Rezeptwechsel von einer Asphalttragschicht zu einer Asphaltdeckschicht mit Hartgestein. Bei kontinuierlicher atypischer – in der Praxis leider nur selten vorkommender – Produktion im Rahmen von Großprojekten sieht es hier anders aus, die häufigen Anund Abfahrprozesse entfallen und wir haben einen kontinuierlichen Produktionsprozess mit gleichmäßigem Emissionsverhalten (Abb. 4). Seit Beginn der Kalibrierung sind in der Tabelle alle relevanten Werte monatlich zusammengefasst. Wir haben uns dabei auf den Massenstrom, den Gesamtkohlenstoffgehalt, C-Gesamt, die gebildeten Tagesmittelwerte und die Produktionstage konzentriert. In den Kuchendiagrammen ist die prozentuale Verteilung der dabei angefallenen Tagesmittelwerte dargestellt (Abb. 5). Wir haben eine Messeinrichtung zur tatsächlichen Massenstromermittlung installiert. Somit ist es uns möglich, den tatsächlichen Gesamtkohlenstoffanteil pro Stunde zu ermitteln. Die TA Luft setzt uns hier einen Grenzwert von 2,5 kg/h. Unsere Asphaltmischanlage emittiert im Durchschnitt hier 2018 1,0 kg/h und 2019 1,4 kg/h C-Gesamt. Noch einmal zur Erinnerung: Die TA Luft fordert den Einsatz einer kontinuierlichen Überwachung ab einem Massenstrom von 2,5 kg/h. Hier muss also eine Betrachtungsweise gefunden werden, die von einer reinen Multiplikation von maximal möglichem Emissionsgrenzwert und maximal möglichem Abluftstrom abweicht – eben eine Sonderlösung. AS: Wenn, wie soeben dargestellt, die zulässigen Grenzwerte eingehalten werden, wie können dann die C-Gesamt-Emissionen weiter reduziert werden? Eine Messung selbst – auch wenn sie kontinuierlich durchgeführt wird – führt ja nicht automatisch zu einer Reduzierung von Emissionen. RH: Wenn man die aus den Mustermessungen gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst, ergeben sich folgende grundsätzliche Möglichkeiten zur Reduzierung von C Gesamt. Entweder wir verzichten künftig auf die Zugabe von Recyclingmaterial. Eine Lösung, die sicher nicht im gemeinsamen Kontext liegt, da damit der Grundgedanke der geschlossenen Stoffkreisläufe und Wiederverwendung ad absurdum geführt wird. Bundesweit werden jährlich ca. 12 Mio. t Ausbauasphalt wieder angenommen und im Rahmen der Herstellung von neuem Asphalt verwendet. Für diese Mengen müsste dann eine andere Verwertung gesucht werden. Oder die deutlich bessere Variante ist die schonende Erwärmung des RC-Materials bei gleichzeitiger Temperaturabsenkung des Mischgutes. Hierfür haben wir bereits geeignete technische Umsetzungen, wie den Heißgaserzeuger für die Paralleltrommel. Für den Einsatz von temperaturabgesenkten Mischgutarten in großem Maßstab brauchen wir jedoch Veränderungen im Regelwerk, die diesen Einsatz fordern. Zuständig dafür sind diverse Institutionen, da das gesamte Regelwerk für den Einsatz von Asphalt im Kontext geklärt werden muss. Die Asphaltindustrie kann hier nicht eigenmächtig handeln und das ist kein Prozess, der kurzfristig abgeschlossen ist. 3|2020

Schwerpunkt: Kontimessung 21 AS: Einen Fakt möchte ich an dieser Stelle noch ergänzen: der Nachweis, dass die zulässigen Emissionsgrenzwerte für C-Gesamt an den Mischanlagen eingehalten werden, kostet nicht nur eine beachtliche materielle Investition und zusätzlichen Personalaufwand, um die Vorschriften für Wartungen, Funktionsprüfungen und Fehlererkennung umzusetzen – nein, sie kostet auch zusätzliche Energie. Der elektrische Energieverbrauch teilt sich dabei im Wesentlichen auf die eigentliche C-Gesamt-Mess- und Analyseeinheit, sowie die Erzeugung der für die Messung erforderlichen Druckluft auf. Anhand der durchgeführten Messungen an den Musteranlagen kann man prognostizieren, dass bei separater Druckluftversorgung 33 % des Gesamtstromverbrauches der Kontimessung auf die Drucklufterzeugung und 67 % auf die Mess- und Analyseeinheit entfallen (Abb. 6). Da die kontinuierlichen C-Gesamt-Messeinrichtungen nur den Energieträger Strom nutzen, liegt die jährliche Steigerung des „Kontimessung“ Strombedarfs DAV-Gebiet hochgerechnet ue Erkenntnisse bei ca. 8,4 %. Mit dieser prozentualen Steigerung liegt man dann aber immerhin im Bereich der digitalen Anwendungstechnik, die ebenfalls eine jährliche Steigerung von ca. 9 % aufweist – wenngleich auch in deutlich anderer Größenordnung. Herr Hertrampf, was versprechen wir aber für die nächsten beiden Jahre? RH: Wir bleiben weiterhin gesprächsbereit – sei es mit dem Arbeitskreis, Verbänden, den einzelnen Behörden im jeweiligen Genehmigungsverfahren. Wir erwarten aber auch, dass unsere Argumente gehört und fachkompetent beurteilt werden. AS: Also eine Aufgabe, die der Deutsche Asphaltverband im Sinne seiner Mitglieder weiter aktiv verfolgen und begleiten wird. Unterstützen Sie uns alle dabei – wir werden in zwei Jahren wieder darüber berichten! • Abbildung 5: C-Gesamt-Brenner – Jahresauswertung 2018 und 2019. Abbildung 6 Elektrischer Energieverbrauch von Asphaltmischanlagen Die jährliche Steigerung des Strombedarfs von Asphaltmischanlagen liegt bei ca. 8,4 %. 3|2020

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