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20 Vor Ort NLMK Am Anfang steht der Stahl Von Bernd Hinrichs Qualität im Asphaltbau hängt nicht nur ab von der Planung und Ausschreibung. Entscheidend für die Qualität ist auch die Wahl der richtigen Baumaschine. Robust und zuverlässig muss sie sein. Ein Faktor, der dazu beiträgt, dass die Maschinen – vom Asphaltfertiger bis hin zur Walze – auch unter härtesten Bedingungen ihre Arbeit vollbringen, ist der verwendete Stahl. asphalt war vor Ort beim Stahlproduzenten NLMK und hat sich erkundigt, worauf es ankommt. Enge Toleranzen garantiert das besondere Walzverfahren in Clabecq. 18 t schwer, 24 m lang und zwischen 3 und 120 mm dick: Der Stahl, der im belgischen Clabecq vom Produzenten NLMK hergestellt wird, hat es in sich. „Wir fertigen hier unter anderem Stähle für die Bauindustrie, den Schiffsbau, die Energiewirtschaft, die Transport- und Yellowgoodsindustrie, die Steinbruch- und Bergbauindustrie“, berichtet Jörg Langenhuizen, Business Area Manager Q&T bei NLMK Deutschland. Bei meinem Besuch vor Ort war mir der Zusammenhang zwischen Stahl und hohen Einbauqualitäten zunächst gar nicht klar. Wie sollte ein Stahlproduzent auf die Qualität einer Asphaltstraße Einfluss nehmen können. „Es ist doch ganz einfach“, erläutert Langenhuizen, „unebene und nicht optimal gefertigte Stähle, die beispielsweise für Walzbandagen oder Glättbleche eingesetzt werden, beeinflussen das Endprodukt Straße ganz massiv.“ Deshalb legt NLMK großen Wert darauf, dass die hergestellten Grobbleche eine gute Ebenheit und enge Dickentoleranzen sowie eine besondere Oberflächenqualität haben. Dies wird vornehmlich durch das Ausnutzen der Vorteile des 4-Ständer-Fertigwalzwerks erreicht. Denn hier können bei den in Clabecq hergestellten vornehmlich dünnen, breiten Blechen ähnlich enge Dickentoleranzen wie bei Bandblechen und schon im ungestrahlten Zustand eine zunderarme Oberfläche erzielt werden. Für die Kunden kann dies beispielsweise eine Gewichtsreduktion der Endprodukte, eine gleichbleibende Rückfederung bei der Kaltverformung, eine Verbesserung der Produktivität beim (automatisierten) Schneiden und Schweißen und eine bessere Performance bedeuten. Die NLMK Deutschland ist Vertriebsgesellschaft der NLMK Europe, zu der als europäische Tochter des größten russischen Stahlerzeugers NLMK mehrere Produktionsstandorte in Westeuropa gehören. Der Konzern kann sich zu einem sehr hohen Anteil selber versorgen. Das bedeutet, dass man über sämtliche Rohstoffe, die für die Stahlproduktion notwendig sind, wie beispielsweise Eisen erze oder Kokskohle, verfügt. Die anerkannt hohe Reinheit und Qualität der Brammen ist eine wichtige Voraussetzung für die Herstellung qualitativ hochwertiger Spezialstähle. Deshalb stammen die in Clabecq verwendeten Brammen auch aus eigener, modernster Herstellung in Russland. Die Produktion des Rohstahls erfolgt hier ausschließlich im Hochofenprozess. 2017 erzeugte der Konzern rund 16,6 Mio. t Rohstahl. „Bei der Weiterverarbeitung in Clabecq setzen wir auf ein einzigartiges Walzverfahren mit engen Toleranzen und auf eine neue Vergütungslinie“, erklärt Langenhuizen. Im Zuge der Vergütung erhält das Material seine mechanischen Werte, beispielsweise die Verschleißfestigkeit. Dabei ist es wichtig, die Prozesse konstant und effizient zu gestalten, um sowohl Bearbeitbarkeit als auch Qualität im Einsatz zu bewirken. Das Werk besitzt eine Walzkapazität von bis zu 700.000 t im Jahr und eine Vergütungskapazität von bis zu 250.000 t im Jahr. Die Zähigkeit, Verarbeitbarkeit und Standzeiterwartung des vergüteten Materials wird unter anderem durch die Abschreckgeschwindigkeit bestimmt. Der Stahl wird in der Vergütungslinie zunächst unter Schutzgas auf eine Temperatur von rund 920° C erhitzt. Die zunderarme Oberfläche bleibt dabei erhalten. „Innerhalb kürzester Zeit wird das heiße Material dann auf 20° C heruntergekühlt“, erläutert Langenhuizen. Ebenfalls entscheidend für die spätere Verarbeitbarkeit ist die sogenannte Kaltrichtanlage, von der es in Clabecq zwei gibt. Denn beim Richten wird nicht nur Ebenheit optimiert, sondern es werden dem Stahl die Spannungen genommen. Geringere innere Spannungen verbessern dabei maßgeblich die Formstabilität nach der mechanischen Bearbeitung. Ein weiterer Pluspunkt für alle Produkte aus Clabecq: Um die Qualität sicherzustellen, wird jedes Blech ab 8 mm Stärke zu 100 % US-geprüft. Für die Asphaltbranche werden im belgischen Werk die verschleißfesten Stähle Quard 400, 450 und 500 hergestellt. Mit der Bezeichnung Quard kennzeichnet NLMK die abriebfesten Stähle. Das Material eignet sich aufgrund seiner Qualität und Eigenschaften besonders für die gleichermaßen vielfältigen wie hohen Verarbeitungs- und Standzeitanforderungen der Asphaltindustrie. Verschleißverhalten, Ebenheit und Oberflächenqualität können Maßstäbe setzen, die eben zu Produktivitäts- und Qualitätssteigerung 5|2018

Vor Ort 21 beitragen können. Quard-Bleche sind mit Boron legierte Stähle – dies erleichtert unter anderem die Schweißbarkeit. Quard ist sehr homogen, hat eine sehr niedrige Rissanfälligkeit bei der mechanischen Bearbeitung und wird auch deswegen gern eingesetzt beispielsweise für Glättbleche beim Asphaltfertiger oder für Walzbandagen. Auch in angegliederten Themenbereichen wie Kipperund Brecherbau oder der Containerproduktion wird Quard verwendet. Quard ist verfügbar in Stärken zwischen 3,2 und 64 mm. Dank der Kombination von Quarto-Walzwerk und 4-fach-Fertigwalzwerk kann eine Oberflächenqualität, ähnlich wie bei Bandblechen, gewalzt werden. Der Kunde kann sich dadurch über eine verbesserte Optik freuen – besonders hilfreich, wenn glänzende Farbanstriche verwendet werden. „Gerade für den europäischen Markt gilt, dass Verlässlichkeit und Qualität Trumpf sind“, fasst Langenhuizen zusammen. Verlässlichkeit bedeutet Kundennähe, wie der Vertriebsprofi weiß. Dafür hat NLMK ein Servicenetz aufgebaut, das es dem Unternehmen gestattet, jeden Kunden in Europa innerhalb kurzer Zeit zu erreichen. • 01 02 03 Bild 01 Der Rohstahl für das belgische Werk wird bei NLMK in Russland gefertigt. Bild 02 Temperaturen von über 900° C sind bei der Stahlvergütung normal. Bild 03 Bis zu 16 m lang sind die produzierten Bleche von Quard. (Quelle: DAV/hin) SYLVAROAD TM RP1000 Performance Additive Wiederverwendung auf höchsten Niveau SYLVAROAD RP1000 Performance Additive verbessert der Performance von Asphalt mit einen hohen RC Anteil. Die Nachhaltigkeit wird verbessert durch geringeren Bedarf an neuen Gesteinskörnungen und Bitumen. Das Produkt kann nicht nur in Tragschichten, sondern auch in Binder und Deckschichten angewendet werden. Das Produkt wird auf pflanzlicher Basis aus erneuerbarem Rohmaterial hergestellt und kann dadurch den CO 2 Footprint von Asphaltmischgut verringern. Weitere Information bekommen Sie auf Kraton.com/paving tm 5|2018