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64 Schwerpunkt: Sanierung Länderbericht Erfahrungen zur Asphaltstraßenerneuerung in Schleswig-Holstein Das Erhaltungsprogramm in Schleswig-Holstein – insgesamt knapp 900 km Gesamtlänge – wird zu vielen Baustellen führen. (Quelle: Pixabay) Ein gut ausgebautes, leistungsfähiges und verkehrssicheres Straßennetz ist Grundlage für die Mobilität von Menschen und Grundvoraussetzung für wettbewerbsfähige Standortbedingungen für Industrie und Handel. Insbesondere der hohe Grad an Arbeitsteilung und die damit verbundenen erforderlichen Austauschbeziehungen erfordern ein leistungsfähiges Straßennetz. Dieses gilt insbesondere für ein Flächenland wie Schleswig-Holstein. Von Torsten Conradt INFO Der Beitrag geht zurück auf den Vortrag „Erfahrungen zur Asphaltstraßenerneuerung in Schleswig-Holstein“, gehalten auf dem DAV/ DAI-Asphaltseminar 2019 in Willingen ie Entwicklung im Schwer- und Güterverkehr in den D letzten Jahrzehnten zeigt eine Vervielfachung des Verkehrs sowohl in Quantität als auch in Qualität. Alle Verkehrsprognosen gehen von einem weiteren Zuwachs aus. Die Bereitstellung einer guten Infrastruktur ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge, die im Bereich der Landesstraßen Aufgabe des Landes ist. Auf Basis regelmäßiger Zustandserfassungen und Bewertungen ist festzustellen, dass die Substanz der Infrastruktur schlechter geworden ist. Diese theoretische Erkenntnis ist leider immer mehr auch praktisch spürbar, da einzelne Systeme nur noch eingeschränkt funktionieren. So werden individuelle, soziale oder auch wirtschaftliche Mobilitätsbeziehungen eingeschränkt. Um den heutigen wie auch künftigen Anforderungen (u. a. steigende Transportmengen auf den Straßen) gerecht zu werden, sind hohe Investitionsbedarfe für die Erhaltung und sicherlich auch in den Um- und Ausbau erforderlich. Im Hinblick auf den Bereich Erhaltung der Landesstraßen in Schleswig-Holstein zeigen eigene Berechnungen wie auch Untersuchungen des Schleswig-Holsteinischen Landesrechnungshofes auf, dass ein erheblicher Erhaltungsstau im Landesstraßennetz in Schleswig-Holstein besteht. Im Bericht der Kommission „Zukunft der Verkehrs infrastruktur“ – („Daehre-Kommission“ – Dezember 2012) wird ein derartiges Defizit für die einzelnen Verkehrsträger sogar bundesweit benannt. Nach eigenen Erhebungen der Straßenbauverwaltung des Landes Schleswig-Holstein weisen ca. 80 % der Landesstraßen in Schleswig-Holstein einen befestigten Aufbau auf, der nicht die Anforderungen an Tragfähigkeit 1|2020

Schwerpunkt: Sanierung 65 und Frostsicherheit erfüllt. Mit dem Bericht zum Zustand der Landesstraßen 2014 wurde erstmalig eine umfassende Bestandsaufnahme des Landesstraßennetzes vorgenommen. Ursachen und Folgen des Sanierungsstaus wurden darin ebenso beschrieben wie die strukturellen Defizite eines historisch gewachsenen Landesstraßennetzes. Wesentliche Grundlage dieses Berichts war die systematische Bewertung des Straßenzustands im Jahr 2013. Zur besseren Übersichtlichkeit werden den Zustandsmerkmalen mithilfe von Bewertungsfunktionen die Zustandsnoten von 1 bis 5 zugeordnet und die Straßen in vier Zustandsklassen eingeteilt. Die Zustandsklasse mit der Zustandsnote 1 bis 1,49 entspricht dem Zustand einer neuwertigen Straßenoberfläche. Ab einer Zustandsnote von 3,5 ist der „Warnwert“ überschritten. Dieser beschreibt einen Zustand, dessen Erreichen bzw. Überschreiten Anlass zu intensiver Beobachtung und Analyse der Ursachen gibt. Der „Schwellenwert“ (Note 4,5) beschreibt einen Zustand, bei dessen Erreichen bzw. Überschreiten die Einleitung von baulichen oder bis zu deren Umsetzung von verkehrsbeschränkenden Maßnahmen geprüft werden muss. In Abbildung 1 ist die Entwicklung des Substanzwertes bei den Zustandserfassungen auf den Landesstraßen der Jahre 2005, 2009 und 2013 dargestellt. Die deutliche Steigerung der Streckenanteile mit einem Substanzwert von 4,5 bis 5,0 ist ein Beleg für den starken Substanzverfall der Landesstraßeninfrastruktur. Der schleswig-holsteinische Landesstraßenzustandsbericht 2014 enthält erstmals ein Erhaltungsprogramm mit einer klaren Prioritätensetzung für den Zeitraum 2014 bis 2017. Ausgehend von diesen Zustandswerten hat der LBV.SH verschiedene Szenarien für die Zustandsentwicklung der Landesstraßen erstellt. Für eine Wiederherstellung eines Straßenzustandes wie Ende der Neunzigerjahre des vorigen Jahrhunderts wurde ein jährlicher Nur in einem gemeinsamen Verständnis und in einer umfassenden Anstrengung aller Beteiligten/Betroffenen kann die Sanierungsoffensive erfolgreich umgesetzt werden. Investitionsbedarf von 90 Mio. Euro ermittelt. Der Landesrechnungshof Schleswig-Holstein hat in seiner Prüfungsmitteilung aus den Jahren 2015/2016 Hinweise auf Qualitätsmängel im Asphaltstraßenbau gegeben. Vor diesem Hintergrund hat der LBV.SH eine Auswertung zahlreicher Kontrollprüfungen von Asphaltbohrkernen und Asphaltmischgütern vorgenommen. Bei den Asphaltbohrkernen wurden folgende Prüfergebnisse betrachtet: • Hohlraumgehalt • Verdichtungsgrad • Scherkraft • Scherweg Bei den Asphaltmischgütern wurden folgende Prüfergebnisse betrachtet: • Bindemittelgehalt • Erweichungspunkt Ring und Kugel des rückgewonnenen Bindemittels • Nadelpenetration • Elastische Rückstellung des rückgewonnenen Polymermodifizierten Bindemittels • Fülleranteil/Korngrößenverteilung • Raumdichte und Hohlraumgehalt am Probekörper • Marshallstabilität • Marshallfließwert Ergebnisse der ZEB-Messungen auf Landesstraßen in den Jahren 2005, 2009 und 2013 (Quelle: 2) 1|2020