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GP 07/19

44 WIRTSCHAFT GELESEN

44 WIRTSCHAFT GELESEN UND FÜR GUT BEFUNDEN: Der Inhalt reicht von Stoffkreisläufen über Stoffstrommanagement, Regelungen für den Umgang mit Bauabfällen, Aufbereitung verschiedenartiger mineralischer Bauabfallarten bis zur nützlichen Verwertung. Coverfotos: gsz Baustoffrecycling: Entstehung – Aufbereitung – Verwertung „Eine sehr gute Abhandlung zum Baustoffrecycling – auf den Punkt gebracht“, lobt ein Rezensent mit einer Fünf-Sterne-Bewertung das Anfang 2019 bei Springer Vieweg erschienene Taschenbuch auf Amazon. Dem schließt sich die Verfasserin dieser Rezension – früher selbst langjährig im RC-Segment unterwegs – vollumfänglich an. Tatsächlich ist mit dem Fachbuch nach dem in den 1990ern erschienenen und als solchem gewerteten „Kohler“ ein neues Standardwerk zum Baustoffrecycling entstanden. Gut verständlich leitet es mit historischen Bezügen in das Thema ein, beschreibt die Triebkräfte pro Recycling, nennt den gesetzlichen Rahmen und listet die relevanten Normen auf, um schließlich die technischen Möglichkeiten der Aufbereitung zu umreißen und dort auch neue Verfahren im Pionierstadium vorzustellen. Hinzu kommt das eigentliche Ziel der Wiederverwendung, das von einfachen Verfüllund Wegebaumaßnahmen bis hin zum anspruchsvollen Einsatz im Hochbau reicht. Den ungefähren Startpunkt des modernen Baustoffrecyclings verortet die Autorin so: „Oftmals hervorgehend aus Fuhrunternehmen oder Steinbruchbetrieben, begann Anfang der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts der Aufbau von stationären Recyclinganlagen mit umfangreicher Maschinenausstattung, die zum überwiegenden Teil noch heute in Betrieb sind.“ Richtig! Gesteinsunternehmen hintertreiben Recyclingbestrebungen nämlich keineswegs, wie bisweilen unterstellt wird, sondern sie tragen diese schon aufgrund ihres relevanten Know-hows maßgeblich mit. Entscheidend ist natürlich, dass die Wirtschaftlichkeit der Wiederaufbereitung gegeben sein muss, damit Baustoffrecycling markttechnisch punkten kann. Die Aufbereitung mit Reinigungsstufen kann recht aufwendig werden – verlangt also nach Spezialisierung, die durch entsprechende Marktpreise zu würdigen ist. Weiter verbreitet ist deshalb die einfachere Form, sauber separat erfasste mineralische Ab- oder Ausbruchmassen zu brechen, zu sieben von Metall- und Feinanteilen zu reinigen und als klassische 0/45er-Fraktion für geeignete Einsätze zu verwenden. Warum auch nicht? Ziel des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ist Abfallvermeidung durch Stoffkreisläufe. Dabei spielt wirtschaftliche Zumutbarkeit eine Rolle und nicht jeder Recycling-Akteur wird sich in die Premium- Klasse eines Walter Feeß entwickeln wollen oder können. In der Gesamtbetrachtung schmälert es den Einsatz nicht, wenn das Ziel, Stoffkreisläufe im Bauwesen zu schließen, auf unterschiedlichen Wegen erreicht wird. Das Wissen dazu ist vorhanden und wird mit praktikablen Hinweisen zur Einflussnahme auf die Produkteigenschaften im besprochenen Buch verständlich zusammengefasst sowie systematisiert. Eine der Stärken ist ferner, dass die Autorin verschiedene Recycling-Baustoffe ausgehend vom ursprünglichen Baustoff charakterisiert und deren Einsatzgebiete dargestellt. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den bautechnischen Eigenschaften, was technisch orientierten Lesern bei der Lektüre gefallen wird. Zur Auffrischung oder zum Erwerb grundsätzlichen Wissens wird erklärt, welche Zerkleinerungsmethode bei unterschiedlichen Materialien günstige oder eher ungünstige Kornformen nach sich zieht. Und was ist mit den Umweltaspekten? Nun ja, um diese kommt man auch beim wichtigen Thema des ganz auf umweltfreundliches Wirtschaften ausgerichteten Baustoffrecyclings nicht herum. Sie spielen seit Anbeginn unserer modernen Recyclingära eine Rolle – Stichwort LAGA 20 – denn schließlich soll ein Materialwiedereinsatz auch gefahrlos stattfinden. Dass seit Jahren im Zuge der geplanten Mantelverordnung, GESTEINS Perspektiven 7 | 2019

WIRTSCHAFT 45 deren Elemente neben der Ersatzbaustoffverordnung auch bundesweit geltende Neufassungen zum Boden- und Wasserschutz sowie zur Deponierung sind, schärfere Kriterien gegenüber den LAGA-Werten für den schadlosen Wiedereinsatz diskutiert werden, wirkt eher hemmend im Recycling-Geschäft. Denn wenn diejenigen, die zusätzlich zu unserer schon hohen deutschen Recycling-Quote immer mehr Recycling fordern, im Gegenzug den Einsatz der RC-Baustoffe über schärfere Vorsorgewerte erschweren und zusätzliche Massen in das Entsorgungsregime delegieren, ist das wenig kreislauffreundlich. So scharf kommt dies im Buch natürlich nicht zur Sprache. Es soll ja über viele Jahre Wissen vermitteln und schließlich ist auch bei der MantelVO noch nicht das letzte Wort gesprochen. Fazit: Mineralisches Baustoffrecycling ist wichtig und richtig. Zu marktfähigen Körnungen aufbereitet, sind Recyclingbaustoffe geeignet, 12 bis 14 % des Gesamtbedarfs an mineralischen Körnungen für direkte Einsätze bei Bauvorhaben bzw. für die Baustoffproduktion zu decken. Sie stellen damit eine wichtige Ergänzung im Versorgungskonzept mit mineralischen Massenbaustoffen dar. Die Wiederaufbereitung mineralischer Abfälle ist gleichfalls ein interessantes Forschungsgebiet, aus dem sich neue Entwicklungen in der Aufbereitungstechnik herleiten lassen. Am Ende sind es die Nachfrage, der Einsatzwillen und die Wirtschaftlichkeit inklusive der umweltrelevanten „Nebenbestimmungen“, die darüber entscheiden, wie viel Energie in die Herstellung eines besonders hochwertigen oder eines normalen Recyclingproduktes investiert wird. Das Buch soll entsprechend inspirieren und exemplarisch zeigen, wie die seit Jahrzehnten allein auf den Schadstoffaspekt ausgerichtete Betrachtung von Recycling-Baustoffen überwunden oder zumindest infrage gestellt werden kann. Die Autorin Prof. Dr.-Ing. habil. Anette Müller hat das neue Standardwerk zum Thema erklärtermaßen für die Zielgruppe „Ingenieure und Architekten in Studium und Praxis“ verfasst, sodass sich Studierende der Fächer Baustofflehre, Baustofftechnologie und Baustoffprüfung solides Wissen aneignen können. Weiter ist es ein empfehlenswertes Nachschlagewerk für Praktiker in Bau- und Recyclingunternehmen, recyclingaffinen Gesteinsbetrieben, Ausschreibungsstellen, Behörden etc. Prof. Müller ist dafür zu danken, dass sie das gebündelte Fachwissen ihres erfolgreichen Arbeitslebens mit Beobachtungen aus der Praxis und Entwicklungen bei der Gesetzgebung verknüpft und in eine substanziell hochwertige Form gebracht hat. Die Autorin war von 1995 bis 2011 Inhaberin der Professur Aufbereitung von Baustoffen und Wiederverwertung an der Bauhaus-Uni Weimar. Seit 2011 widmet sie sich als Mitarbeiterin am Institut für Angewandte Bautechnik Weimar gGmbH und Beratung weiterhin dem Thema Baustoffrecycling. Das Taschenbuch umfasst 336 Seiten und ist bei Springer Vieweg in erster Auflage im Februar 2019 erschienen. Verfügbar ist es sowohl als Kindle-E-Book für 19,99 Euro, als auch in klassischer Buchform für 27,99 Euro. Interessenten werden fündig unter den Nummern: ISBN 978-3-658- 22987-0 oder ISBN 978-3-658-22987-7 (E-Book). (gez) www.springer-vieweg.de Mercure Hotel MOA, Berlin POWER EFFIZIENZ KOMFORT Ein perfektes Zusammenspiel zwischen den zuverlässigen, robusten und leistungsstarken Großbaggern von Hitachi und der wirtschaftlichen und effizienten Bell Produktpalette von Dumpern und knickgelenkten Muldenkippern. Geben Sie sich nicht mit weniger zufrieden! www.kiesel.net