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GP 05/18

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38 AUFBEREITUNG &

38 AUFBEREITUNG & VEREDELUNG BEISPIELHAFT: Das Schotterwerk Rossetto in Saint-Jeoire-en-Faucigny. Fotos: Thyssenkrupp Rohstoffaufbereitung im Einklang mit Natur und Umwelt Beim Bau neuer Aufbereitungsanlagen nimmt der Schutz von Natur und Anwohnern einen immer wichtigeren Stellenwert ein. Dabei steht speziell auch die Reduzierung von Schall- und Staub-Emissionen im Fokus, um Belastungen auf ein Minimum zu beschränken. STEINBRUCH QUEVETS-NORD. Hier wird Kalkstein für das Werk gewonnen. Thyssenkrupp hat in Saint-Jeoire-en- Faucigny (Frankreich) für die Firma Rossetto ein komplettes, schlüsselfertiges Schotterwerk von der Primärzerkleinerung bis zur Produktverladung geplant, gebaut und in Betrieb genommen. Mit Brechern und Sieben aus den Standard-Baureihen von Thyssenkrupp Industrial Solutions konnte der gesamte Aufbereitungsprozess optimal abgedeckt werden. Neben der Maschinentechnik – vom Brechprozess bis zur automatischen Verladung – wurde auch die komplette Elektrik und Automatisierung der Anlage geliefert. Dabei wurden sowohl komplexe Anforderungen bezüglich der Produktqualität als auch anspruchsvollste Umweltauflagen erfüllt. Der Prozess erlaubt die Herstellung verschiedenster Endprodukte, die sowohl den französischen als auch den Schweizer Normen gerecht werden. Der Standort der Anlage unmittelbar oberhalb des Ortes erforderte zudem die Einhaltung besonders strenger Emissionsgrenzwerte, um Akzeptanz im Umfeld zu erreichen. All das wurde berücksichtigt und so ist es gemeinsam mit dem Auftraggeber gelungen, ein nachhaltiges und höchst effizientes Schotterwerk zu errichten – mit minimalen Auswirkungen auf Natur und Umwelt. Beispiel für nachhaltige Projektentwicklung Im Rahmen des Auftrags errichtete Thyssenkrupp für Rossetto ein besonders immissionsgeschütztes, neues Kalkstein-Schotterwerk für eine Jahresproduktion von 400.000 t. Bis in die 1970er-Jahre hinein hatte der Familienbetrieb Rossetto auf dem hierfür vorgesehenen Gelände Flusskies gewonnen. Für den Bau der neuen Anlage waren GESTEINS PERSPEKTIVEN 5/2018

AUFBEREITUNG & VEREDELUNG 39 deshalb zunächst umfangreiche Aufschüttungen notwendig, um ein Plateau mit rund 30.000 m² Fläche zu schaffen, auf dem die insgesamt sechs Gebäude des Schotterwerks Platz finden konnten. Die neue Anlage oberhalb des Ortes Les-Fauges-La-Chounaz wurde an der Bergflanke des Mont du Don errichtet. Diese exponierte Lage verlangte nach einer Begrenzung der Schallemissionen auf maximal 70 dB. Darüber hinaus stellten die extremen Wetterbedingungen der Alpen eine weitere Herausforderung dar. Ziel war es, den Betrieb auch bei Temperaturen bis minus 10 ˚C sicherzustellen. So kann das Werk in mindestens zehn von zwölf Jahresmonaten betrieben werden. Um die Emissionen auf ein Minimum zu beschränken und den Wetterbedingungen standzuhalten, wurde die insgesamt aus drei Brechstufen bestehende Anlage komplett eingehaust. Sogar der Bereich um den Bunker der Primärbrechanlage wurde so gestaltet, dass dank einer doppelwandigen, schallschluckenden Gebäudekonstruktion kaum Geräusche vom Abladeprozess der Muldenkipper sowie von der anschließenden primären Brechstufe nach außen dringen. Eine installierte Absaug- und Filteranlage stellt sicher, dass weder von der Beschickung noch von den folgenden Brechstufen Staubemissionen nach außen austreten. An kritischen Stellen wird zusätzlich Wasser vernebelt, um den entstehenden Staub niederzuschlagen. Präzision bei Gewinnung und Aufbereitung Neben den umwelttechnischen Aspekten galt es weitere komplexe Anforderungen hinsichtlich des Brechprozesses und der zu erreichenden Kornqualität zu erfüllen. Aufgrund der Nähe des Werks zur Schweizer Grenze sollten neben den französischen Normen auch die in der Schweiz geforderten Qualitäten abgedeckt werden. Gewonnen wird der Kalkstein in zwei Steinbrüchen mit ähnlichen Eigenschaften. Beide Lagerstätten liegen direkt an der Südflanke des Mont du Don. Im Steinbruch Quevets-Nord wird heute durch Sprengung ein Haufwerk 0/700 mm gewonnen. Der Steinbruch ist über eine 600 m lange Fahrstrecke direkt mit der Aufbereitungsanlage verbunden. Hier wurden besondere Maßnahmen zum Schutz der Anwohner, zum Beispiel vor Steinschlag, getroffen. Mit Hilfe eines Baggers werden drei Muldenkipper beladen, die das Material zur Vorbrechanlage transportieren. Der zweite Steinbruch La Tour liegt etwa 10 km entfernt. Das Rohmaterial von dort wird auf 44-t-Lkw zur Aufbereitungsanlage transportiert. Sobald ein Fahrzeug zum Entladen in das Gebäude der Vorbrechanlage fährt, startet die Staubabsaugung automatisch. Das Haufwerk wird in den Bunker mit einem Volumen von 60 m³ abgekippt und von dort mit Hilfe eines hydraulischen Schubwagens über ein Grizzly-Sieb SKA 123/1 zur ersten Brechstufe gefördert. Auf diesem Weg wird die Fraktion < 120 mm weitgehend durch das Sieb abgeschieden. Der Thyssenkrupp-Backenbrecher EB VORZERKLEINERUNG: Backenbrecher EB 12-10 für die primäre Brechstufe. VORRATSHALTUNG: Der Zwischenbunker mit einem Volumen von 15.000 m³. 12-10 ist als Vorbrecher für die erste Brechstufe auf einen Durchsatz von 450 t/h bei einer Produktgröße von 0/250 mm ausgelegt. Nachdem ein anschließendes Kreisschwingsieb CK 603 die Feinfraktion 0/15 mm als unerwünschten Anteil aus dem Materialstrom ausschleust, wird der Siebüberlauf in einem Zwischenbunker mit einem Volumen von über 15.000 m³ gepuffert, von wo aus er die vorgesehenen weiteren Prozessschritte absolviert: Über zwei Schwingförderrinnen wird ein konstanter Materialstrom von 250 t/h abgezogen und zur Sekundär- Brechstufe geleitet. Dieses wird durch einen Kegelbrecher Kubria G 110 repräsentiert, der das Material zu 95 % auf eine Größe von < 80 mm zerkleinert. Das nachfolgende Sieb CK 803 klassiert in die Korngrößen 0/6, 6/20, 20/40 und > 40 mm. Je nach gewünschtem Endprodukt können die Fraktionen 5/2018 GESTEINS PERSPEKTIVEN