Aufrufe
vor 2 Jahren

as 07/16

  • Text
  • Asphalt
  • Einbau
  • Einsatz
  • Technik
  • Unternehmen
  • Deutschen
  • Beispielsweise
  • Maschinen
  • Baustelle
  • Schnell

12 Schwerpunkt: Fräsen

12 Schwerpunkt: Fräsen Interview VESF „Die Fräsen können viel mehr, als die meisten Planer wissen“ Der Verband der Europäischen Straßenfräsunternehmungen (VESF) versteht sich als Interessenvertretung von Fräsdienstleistern und Firmen, deren Kerngeschäft eng mit dem Fräsen von Straßen und Böden verknüpft ist. Wir sprachen mit den beiden deutschen Vertretern im Vorstand des VESF, Torsten Meyer (Vorsitzender) und Björn Bielenberg, über Aufgaben und Anforderungen an die modernen Fräsen und die Herausforderungen für die Fräsunternehmen. asphalt: Welche Trends gab es in den letzten Jahren? T. Meyer: Es hat sich viel getan – in Punkto Arbeitsbedingungen, bei den Bauprozessen und auch bei der Maschinentechnik. Immer häufiger gibt es Großprojekte, bei denen viele Großfräsen zugleich angefordert werden. Diese Maßnahmen werden zunehmend abends bzw. nachts und an Wochenenden abgewickelt. Das ist für uns kein grundsätzliches Problem, birgt aber einige Herausforderungen. Eine ist zum Beispiel die extrem ungleichmäßige Auslastung. Insbesondere die Großfräsen werden mittlerweile gehäuft zu den beschriebenen Spitzenzeiten abgerufen. Dafür sinkt die Nachfrage an „normalen“ Wochentagen. Das bedeutet, wir müssen sehr viele Maschinen und entsprechendes Personal vorhalten, können die Mitarbeiter und Maschinen aber nicht kontinuierlich auslasten. Das wirkt sich auf die Kosten aus. B. Bielenberg: Wir erleben außerdem eine stetig wachsende Nachfrage nach immer größeren Maschinen. Vor einigen Jahren ging der Trend hin zu kleineren Geräten, aber mittlerweile legen die Kunden vor allem Wert auf eine schnelle Abwicklung und verlangen explizit die großen Fräsen wegen ihrer Leistungsfähigkeit. Hier entstehen immer wieder Konflikte, denn die Landesbetriebe und Kommunen wollen die großen Maschinen auf ihrer Baustelle sehen – und das möglichst flexibel, denn Wetter und unvorhersehbare Ereignisse können den Plan für eine Baumaßnahme schon mal durchkreuzen. Gleichzeitig sehen wir aber nur wenig Bemühungen der Landesbetriebe, dafür zu sorgen, dass wir die Genehmigungen bekommen, die wir für den Transport dieser leistungsfähigen Maschinen in der notwendigen Flexibilität benötigen. Außerdem werden unsere Sattelzüge immer häufiger kontrolliert. Das bringt so manchen Zeitplan durcheinander. Insgesamt wird der Aufwand für die Organisation und Durchführung der Transporte – eigentlich ein Randthema und nur Mittel zum Zweck, dem Fräsen – immer aufwendiger, zeitintensiver und teurer. T. Meyer: Ein anderes Thema ist der Arbeitsschutz. Die Arbeitsbedingungen für die Fahrer und das „Bodenpersonal“ sind sehr viel besser geworden. Staub, Lärm und Vibrationen sind spürbar reduziert – hier haben die Hersteller in den vergangenen Jahren viel getan. Die Philosophie hat sich geändert, sodass heute Maschinen rund um den Fahrer gebaut werden. Verändert haben sich auch die Randbedingungen beim Fräsgutrecycling. Die Maschinen arbeiten heute so präzise, dass wir die einzelnen Lagen sehr genau abtragen können und damit Deck-, Binder- und Tragschicht separat dem Materialkreislauf wieder zuführen können. Das könnte übrigens auch die Transportproblematik entspannen, denn dünnere Schichten lassen sich auch mit leichteren Maschinen schnell abtragen. B. Bielenberg: In vielen Regionen wird das selektive Fräsen mittlerweile auch häufig nachgefragt. Letztendlich ist das – zumindest beim Vollausbau – meistens auch die schnellste Bauweise. Dabei übersehen aber manche Auftraggeber zwei wichtige Details: Mit den Fräsen zerkleinern wir zwar den Asphalt, aber die erzielte Stückgröße entspricht nicht der Sieblinie. Außerdem kann man über den Vorschub, die Fräswalzendrehzahl und die Art der Fräswalze den Anteil an Feinkorn beeinflussen. Hier sollten Planer, Auftraggeber und Fräsunternehmer vor Beginn der Baumaßnahme über die Ziele und Möglichkeiten reden, um das gewünschte Fräs- und Recyclingergebnis zu erhalten. Worauf sollte beim Erwerb einer Kaltfräse besonders geachtet werden? T. Meyer: Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sind – wie bei allen Maschinen – vor allem die Betriebskosten wichtig. Außerdem sind das Transportgewicht und die Abmessungen zu essenziellen Parametern geworden. B. Bielenberg: Darüber hinaus kann man aber keine generelle Empfehlung bezüglich der Ausstattung und des Leistungsvermögens geben, denn es gibt erstaun- 7|2016

Schwerpunkt: Fräsen 13 Björn Bielenberg: „Wir erleben außerdem eine stetig wachsende Nachfrage nach immer größeren Maschinen.“ Torsten Meyer: „Schon heute sind gute Fräsenfahrer schwer zu bekommen. Wir können den Fräsdienstleistern und Baufirmen nur raten, sich den eigenen Nachwuchs auszubilden.“ (Fotos: VESF) lich viele regionale Besonderheiten. Nicht zuletzt spielen hier die vorhandenen Gesteine und die damit verbundenen Bauweisen eine Rolle. Außerdem haben viele Fräsunternehmen eigene „Spezialitäten“, selbst konstruierte Sonderaggregate oder zusätzliche Dienstleistungen, im Portfolio. Welche Trends sehen Sie für die Zukunft? B. Bielenberg: Mit Blick auf den Zustand der Straßen und Brücken in Deutschland werden die Anforderungen an den Transport, die Planung und die Organisation der Baustellen wachsen. Es wird, wenn die Landesbetriebe und die Behörden nichts an den bestehenden Prozessen ändern, auf deutlich längere Vorlaufzeiten hinauslaufen. Das wollen wir eigentlich nicht, aber die zunehmenden Einschränkungen und gesetzlichen Hemmnisse werden uns dazu zwingen. T. Meyer: Und wir werden – wie die ganze Baubranche – Nachwuchsprobleme bekommen. Schon heute sind gute Fräsenfahrer schwer zu bekommen. Wir können den Fräsdienstleistern und Baufirmen nur raten, sich den eigenen Nachwuchs auszubilden. B. Bielenberg: Ein anderer Aspekt sind die Vertragsverhältnisse. Der Trend geht zur Auftragsvergabe mehrerer Gewerke an einen Dienstleister, z. B. Fräsen und Reinigen. Für die Auftraggeber wird es dadurch einfacher, weil sie nur einen Ansprechpartner haben. Für die Dienstleister wird es komplexer, weil sie mehr koordinieren und managen müssen. Und welche technischen Entwicklungen erwarten Sie? T. Meyer: Die Anforderungen an die Qualität werden steigen. Ein Beispiel: Straßen.NRW geht derzeit mit seiner „Qualitätsoffensive“ voran. Dort wird der Abtrag von Deckschichten mit Multiplex-Fräsen gefordert. Das bringt eine hohe Ebenheit in Längsrichtung. Arbeitet man dabei mit 2-m-Maschinen, ist auch eine hohe Ebenheit quer zur Fahrtrichtung gesichert. Setzt man dann auch noch Feinfräswalzen ein, entsteht eine Textur, die für eine gute Verzahnung der neuen Deckschicht mit der vorhandenen Binderschicht sorgt. Auf solchen Fräsflächen entstehen auch ohne aufwendige Nivellierung höchst ebene Deckschichten mit sehr gleichmäßiger Dicke und hervorragender Ebenheit. Was ist noch wichtig aus der Branche? B. Bielenberg: Die Fräsen können viel mehr, als die meisten Planer wissen. Viele kennen nur das Kopierfräsen. Aber wir können zum Beispiel mit modernen Nivelliertechnologien wie dem 3-D-Fräsen sehr präzise gänzlich neue Profile erzeugen und damit die Neigung und Lage bestehender Straßen komplett neu aufbauen. Sobald ein digitales Modell einer Straße erstellt ist, können die Fräsen ein neues Profil herstellen und die Fertiger darauf einen neuen Asphaltkörper aufbauen. Unsere Erfahrungen mit dieser Bauweise sind extrem positiv. T. Meyer: Ja, und viele Fräsdienstleister haben intelligente Spezial-Lösungen im Programm. Ich denke an Spezial-Fräswalzen für Sonderprofile, es gibt Fräswalzen, mit denen spezielle Texturen von sehr grob bis sehr fein erzeugt werden können, Fräsräder zur Herstellung von Schlitzen und Nuten, Absaugvorrichtungen für das Fräsen kontaminierter Böden, Sonderaggregate für das Fräsen von Rüttelstreifen zur Warnung müder Fahrer und und und … Darum kann ich allen Planern, die eine spezielle Sonderlösung suchen, empfehlen: Wenden Sie sich mit Ihrer Anfrage an den VESF. Wir tragen Ihre Projekte an die Mitglieder weiter, die oft mit ihren Spezialaggregaten weiterhelfen können. Vielen Dank für das Gespräch 7|2016

Archiv Fachzeitschriften