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22 Vor Ort E&E-Kongress

22 Vor Ort E&E-Kongress Aus deutscher Sicht gelungen Der „6. Eurasphalt & Eurobitume Congress“ in Prag war vor allem aus Sicht der deutschen Asphaltbranche ein voller Erfolg. Deutschland stellte gemeinsam mit Frankreich das größte Länderkontingent, war mit verschiedenen Projekten bei der Poster-Session dabei und präsentierte sich mit verschiedenen Referenten. John Kruse Larsen, Präsident von EAPA, eröffnete den Kongress, worauf Grußworte von Dan Ťok, Verkehrsminister der Tschechischen Republik, und ein Vortrag von Ismail Ertug (MEP) folgten. Der 6. E&E-Kongress in reinen Zahlen: Über 800 Teilnehmer, dazu rund 170 Personen Standpersonal und über 70 Begleitpersonen. Beachtliche Zahlen! Was den Kongress aus deutscher Sicht aber wirklich zu einem Erfolg macht, ist das große nationale Engagement, das dort gezeigt wurde. Beispielsweise in der Poster-Session, wo die Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl Die Poster-Sessions boten Gelegenheit zum direkten Austausch mit den Ausstellern. für Verkehrswegebau, gleich mit zwei Postern vertreten war: Einerseits mit „New findings in relation to adhesion“ und andererseits „Assessing bitumen in the whole service-temperature-range with the dynamic shear rheometer“. Beide Poster gehen auf das Forschungsvorhaben „Einfluss der chemischen, rheologischen und physikalischen Grundeigenschaften von Straßenbaubitumen auf das Adhäsionsverhalten unterschiedlicher Gesteinskörnungen“ zurück. Das Forschungsvorhaben des Deutschen Asphaltinstitutes (DAI) wurde an der Ruhr-Universität Bochum bearbeitet und aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsgemeinschaften (AiF) gefördert. Bianca Drewes, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum, zeigt sich zufrieden mit der Ausstellung: „Die Postersession war ein voller Erfolg. Mit großem Interesse wurden die nach Themen sortierten Poster von den verschiedenen Kongressteilnehmern besichtigt und regten zum Informieren und Diskutieren an. Durch die Poster konnten erste Eindrücke von laufenden und abgeschlossenen Projekten gewonnen werden, die eifrig mit den jeweiligen Ausstellern besprochen wurden. Somit ergab sich die viel genutzte Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen und den eigenen Erkenntnishorizont zu erweitern.“ Auch das Vortragsprogramm fand unter deutscher Beteiligung statt, wenn auch nicht in der ausreichenden Intensität. Das findet zumindest Dr. Reinhold Rühl, Leiter des Bereiches Gefahrstoffe bei der BG BAU – Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: „Vor allem war der E&E-Kongress sein Geld wert. Sehr viele Kontakte konnten gepflegt und geknüpft werden und die Kongress-Themen waren auch für einen Arbeitsschützer sehr informativ. Selbst wenn zu den temperaturabgesenkten Asphalten die anderen Ländern Deutschland den Rang abgelaufen haben. Aus Deutschland kam nicht mal ein Beitrag dazu.“ Die technischen Vorträge umfassten generell ein weites Themenspektrum, darunter Niedrigtemperaturasphalte, Prüfungen von Bitumen, Asphalte und deren Gebrauchsverhalten, Wiederverwendung, nachhaltige Entwicklungen, Arbeits-, Umwelt- und Gesundheitsschutz, Erhaltung und Instandsetzung. Erstmalig wurden während des Kongresses Workshops und Seminare zu weniger technischen Themen, beispielsweise Kommunikation und Finanzierung, angeboten. Der „7. Eurasphalt & Eurobitume Congress“ findet vom 12. bis zum 15. Mai 2020 in Madrid statt. 5|2016

Vor Ort 23 INTERVIEW „Wir nutzen oft nicht, was wir haben“ Kurz nach der Abschlusszeremonie nutzte Bernd Hinrichs die Gelegenheit, Siobhan McKelvey, Präsidentin von Eurobitume, und Egbert Beuving, Generalsekretär von European Asphalt Pavement Association (EAPA), nach ihren noch frischen Eindrücken des beendeten Kongresses zu fragen. asphalt: Was war für Sie die angenehmste Überraschung auf dem E&E-Kongress? Beuving: Für mich war die große Teilnehmerzahl die positivste Überraschung. Wir haben in Prag fast die ausgezeichneten Besucherzahlen von Wien (2004) oder Istanbul (2012) erreicht. Denn man kann einen großartigen Kongress organisieren, mit einem exzellenten Vortragsprogramm, wie viele Besucher tatsächlich da waren, sieht man erst am letzten Tag. McKelvey: Die durchgehend positive Stimmung auf dem Kongress war bemerkenswert. Die große Bereitschaft, sich aktiv bei den verschiedenen Events einzubringen, sowie die gut besuchte Ausstellung und Poster-Session. Hinzu kommen noch die sehr guten Keynotes und der positive Effekt, den es hatte, eine professionelle Moderatorin einzusetzen. Welcher Vortrag hat Sie am meisten beeindruckt? Beuving: Es gab viele Vorträge, die mir gefallen haben. Allerdings gab es einen, der mich wirklich beeindruckt hat: „Impact of the bitumen quality on the asphalt mixes performances“ von Frédéric Delfosse (Eurovia, France). Das ist eine Studie, die ich auch gerne gemacht hätte, wenn ich nur ausreichend Zeit und Geld hätte. Aber ich bin jetzt schon gespannt, welche Auswirkungen diese Untersuchungen zukünftig auf unsere Branche haben werden. McKelvey: Meiner Meinung nach haben die Key-Note-Sprecher des ersten Tages ganz hervorragend und mit hoher Qualität Gedanken zusammengeführt. Sie bildeten das Fundament für die Vorträge der kommenden Tage. Siobhan McKelvey: „Das über allem stehende Motto war für mich ,Wir müssen in unsere größtes Vermögen investieren: Straßen‘. Es geht darum, dass mit unseren erprobten Technologien und den Produkten unserer Industrie ein effektiver, effizienter und nachhaltiger Straßenbau zum Vorteil von Straßennutzern und Eigentümern möglich ist.“ Egbert Beuving: „Wir haben die Technologie, um bis zu 95 % Ausbauasphalt wieder in die Asphaltschichten einzubringen, wir können den Asphaltbinder modifizieren und den CO 2 -Ausstoß reduzieren. Wir haben das notwendige Wissen, um Studenten und Arbeiter im Asphaltbau zu schulen – wir haben dazu die technische Ausrüstung. Wir haben alles, was wir brauchen, aber wir nutzen es oft einfach nicht.“ Fotos: DAV/hin Was war der größte Unterschied zum E&E-Kongress in Istanbul? Beuving: Der größte Unterschied war, dass wir in Prag erstmals mit parallel laufenden Vorträgen gearbeitet haben, und es ist sehr gut angenommen worden. McKelvey: Ja, durch diese Zweigleisigkeit konnten wir weitere Workshops und Seminare anbieten. Das wurde von den Teilnehmern sehr gut angenommen und ich denke, damit werden wir weiterarbeiten. Was ist die wichtigste Botschaft des E&E-Kongresses 2016? Beuving: Die wichtigste Botschaft für mich ist die Forderung nach einem guten Vertragswerk, das es ermöglicht, die neuen Technologien, die in Prag vorgestellt wurden, zu realisieren und mit ihnen nachhaltige Asphaltstraßen zu bauen. Wir haben die Technologie, um bis zu 95 % Ausbauasphalt wieder in die Asphaltschichten einzubringen, wir können den Asphaltbinder modifizieren und den CO 2 -Ausstoss reduzieren. Wir haben das notwendige Wissen, um Studenten und Arbeiter im Asphaltbau zu schulen – wir haben dazu die technische Ausrüstung. Wir haben alles, was wir brauchen, aber wir nutzen es oft einfach nicht. Deshalb muss ein Vertragswerk geschaffen werden, das technische Neuerungen fördert. Private Wirtschaft und öffentliche Auftraggeber müssen dafür noch enger zusammenarbeiten. Wenn wir nicht innovativ bleiben, werden wir am Ende verlieren. McKelvey: Das über alles stehende Motto war für mich „Wir müssen in unser größtes Vermögen investieren: Straßen“. Es geht darum, dass mit unseren erprobten Technologien und den Produkten unserer Industrie ein effektiver, effizienter und nachhaltiger Straßenbau zum Vorteil von Straßennutzern und Eigentümern möglich ist. Vielen Dank für das kurze Gespräch. 5|2016

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