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36 Technik Moba Mobile

36 Technik Moba Mobile Automation Assistenzsysteme im Straßenbau Der Asphalteinbau wird von vielen Faktoren beeinflusst. Nur wenn alle Parameter optimal zusammenpassen, lohnt sich am Ende das Projekt. Heute basiert dieses wichtige Zusammenspiel oftmals noch auf den Erfahrungen der Einbaukolone und händischen Messungen. Dabei können elektronische Assistenz- und Steuersysteme den Erfolg des Einbaus des schwarzen Golds Asphalt sicherstellen. Ein mit Big-Sonic-Ski ausgerüsteter Asphaltfertiger. Beim Einbau der aus unterschiedlichen Schichten bestehenden Asphaltdecke geht es bei der Mischguttemperatur, der Schichtdicke und der Verdichtung grundsätzlich darum, das Optimum zu erreichen. Zu heiß ist nicht gut und zu kalt auch nicht, zu dünn gibt Abzüge und zu dick erhöht die Kosten, eine Überverdichtung führt zu Schäden, bevor die Straße fertig ist, und zu wenig Verdichtung geht auch nicht. Dabei ist nicht nur das jeweilige Optimum wichtig, sondern auch die Wechselwirkung aus der Mischguttemperatur, der Vor- sowie Endverdichtung, der Einbaustärke und dem Wetter. Diese Dilemmata und auch der Einfluss des Wetters auf den Einbau sind nicht neu. Die Einbaumannschaften haben in den vergangenen Jahrzehnten mit den steigenden Anforderungen an den Asphalteinbau immer auch Wege gefunden, die größten Risiken in den Griff zu bekommen. So wird teilweise die Dicke der Asphaltschicht mit der Einstechlanze oder dem Zollstock manuell gemessen. Oder die Temperatur wird kurz vor dem Abkippen per Thermometer kontrolliert. Bei allem spielt die Erfahrung der Kolonne eine große Rolle. Allerdings hat es sich mitunter auch in der Vergangenheit bezahlt gemacht, neue Wege zu gehen, wenn sie besser sind. Durch den technischen Fortschritt, durch mobile Nutzung von EDV-Technik und durch die voranschreitende Digitalisierung können Assistenz- und Steuersysteme die Messung von Einbaustärke und Temperatur übernehmen, eine flächendeckende Verdichtung anzeigen und die Ebenheit auch ohne Leitdrähte perfekt steuern. Berührungslose Ultraschall-Messung Ein wichtiger Parameter auf dem Weg zu einem erfolgreichen Projektabschluss beim Straßenbau ist die maximale Ebenheit. Für den erfahrenen Bauunternehmer und seine eingespielte Mannschaft am Asphaltfertiger tägliches Geschäft – und tägliche Herausforderung. Wird der Unterbau im Rahmen der Straßenbaustelle neu erstellt, kann dabei schon auf eine gute Ebenheit geachtet werden. Dieses stellt sich schon viel schwieriger im Falle einer reinen Deckensanierung dar. Nach dem Fräsen ist der Untergrund doch eher uneben. In beiden Fällen bleibt immer das Risiko, dass die Ebenheits- und Höhentoleranzen im Unterbau größer sind als bei der Decke. Mit einem Leitdraht kann beispielsweise eine weitestgehend ebene Referenzlinie geschaffen werden. Allerdings belastet dieser auch das Baustellenbudget. Bereits Ende der 1990er-Jahre hat Moba begonnen, auf Basis einer Ultraschallabtastung des Untergrunds eine virtuelle ebene Referenzlinie zu schaffen, damit nicht nur einfach eine ebene Asphaltdecke eingebaut wird, sondern auch die Kosten für den Leitdraht entfallen. Das Konzept basiert auf bis zu 20 Messungen, die den Untergrund auf einer Länge von bis zu 13 m abtasten. Mit Silvo Stiehler, Bauleiter der Strabag AG: „Nur wenn wir die Mischguttemperatur genau kennen, können wir vernünftig einbauen.“ 3|2018

Technik 37 Bernhard Stolz, Gebrüder Stolz GmbH & Co. KG: „Wichtig an dem Scanner ist für uns, dass er über die komplette Oberfläche ein Bild abzeichnet.“ einer Filterung und Mittelwertbildung steuert der Moba-Big-Sonic- Ski die Bohle automatisch so an, dass die vorhandenen Unebenheit perfekt ausgeglichen werden. Die Funktionalität der Bedieneinheit Mobamatic II besitzt heute alle für den Straßenbau erforderliche Funktionalität. So können beispielsweise Kurvenüberhöhungen oder Absenkungen bei Einfahrten einfach von der Fertigermannschaft eingestellt werden. Überzeugend ist der Aufbau bzw. Anbau des Moba-Big-Sonic-Ski. Alle Mechanik-Komponenten sind so konzipiert, dass nur eine Person ausreicht. Und der Big-Sonic-Ski passt an jeden Asphaltfertiger. Ein gemischter Maschinenpark (Hersteller, Typ oder Baujahr) sind kein Problem. Hilfestellung beim Einbau Unbestritten ist die richtige Mischguttemperatur einer der wichtigsten Faktoren für einen erfolgreichen Einbau. Je homogener die Einbautemperatur ist, desto gleichmäßiger und ebener wird die Endverdichtung. Auch Silvo Stiehler, Bauleiter der Strabag AG, weiß um die hohe Bedeutung der Temperatur. „Nur wenn wir die Mischguttemperatur genau kennen, können wir vernünftig einbauen. Mit dem Pave-IR-System von Moba sehen wir die Materialeingangstemperatur am Kübel, wir erkennen thermische Entmischungen, während das Material durch den Fertiger transportiert wird, und das exakte Temperaturprofil der Schicht direkt hinter der Bohle. Dazu werden die Wetterdaten und die Temperatur des Untergrunds angezeigt. Damit erhalten wir entscheidende Hilfestellungen, um den Einbau optimal zu steuern.“ Mit diesen Informationen und mit ihren Erfahrungen kann die Einbaumannschaft die Parameter des Fertigers so einstellen, dass einer thermischen Entmischung entgegengewirkt wird. Mit einer Schnittstelle zu den gängigen Asphaltlogistiklösungen lassen sich die Temperaturdaten mit den Lieferscheindaten verbinden. Damit wird deutlich, mit welcher Temperatur eine Fuhre Asphalt das Mischwerk verlassen hat, mit welcher Temperatur das Mischgut abgeladen und schlussendlich eingebaut wurde. Neben der offenen Schnittstelle zeichnen das Moba-Pave-IR eine hohe Flexibilität beim praktischen Einsatz auf der Baustelle aus. Bis zu 13 m Einbaubreite kann der Temperaturscan abdecken. Dabei können kritische Randbereiche von der Messung ausgeschlossen werden. Beides kann frei eingestellt werden. Zusätzlich kann das System an jedem Fertiger zum Einsatz gebracht werden, eine Vorrüstung für alle Hersteller und Modelle ist ebenfalls erhältlich. Bernhard Stolz, technischer Leiter bei der Gebrüder Stolz GmbH & Co. KG, kennt den kombinierten Einsatz von Temperaturmessung und Asphaltlogistik bereits. „Temperatur war für uns schon immer ein Thema. Diese wurde natürlich nur händisch gemessen. Wichtig an dem Scanner ist für uns, dass er über die komplette Oberfläche ein Bild abzeichnet.“ Gleichzeitig wird bei deutschen Bauunternehmen die flächendeckende Temperaturmessung polarisierend diskutiert. „Die Sorge der Bauunternehmen vor ruinöser Transparenz verstehen wir gut. Nur wollen die Behörden diese gar nicht, wozu auch? Die Deges und andere Straßenbaubehörden setzen auf Kooperation. Sie schreiben die flächendeckende Temperaturmessung aus, um eine Verbesserung des Einbaus voranzubringen. Unsere Projekterfahrungen bestätigen dieses. Die Behörden betrachten die Temperaturdaten nicht, um Bohrkernpunkte festzulegen. Oft erfolgte die Abnahme vor Bereitstellung der Temperaturdaten“, sagt Andreas Velten, Geschäftsführer der Moba Mobile Automation in Deutschland. Profitabilität Belasten thermische Entmischungen die Kosten meistens erst in der Gewährleistungsphase, führt eine zu dicke, auf Sicherheit ausgelegte Einbaustärke sofort zu erhöhten Materialkosten. Diese Risiken lassen sich vermeiden, und der übliche Sicherheitsaufschlag auf die Schicht- Thermalprofilsensor des Pave-IR erfasst mit Infrarot-Technologie präzise die Temperatur über eine Breite von bis zu 13 m. 3|2018