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as 03/17

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14 Schwerpunkt:

14 Schwerpunkt: Ländlicher Wegebau Ländlicher Wegebau Neues Regelwerk ist da! Eine funktionsfähige ländliche Wegeinfrastruktur bildet die Basis für eine ökonomisch zukunftsfähige Landbewirtschaftung. Hierbei muss u. a. dem Strukturwandel in Form veränderter Betriebsgrößen oder von Spezialisierungen und den damit verbundenen Ansprüchen der Landund Forstwirtschaft an die Wegeinfrastruktur bedacht werden. 2008 erhielt deshalb der Arbeitsausschuss 6.5 „Ländliche Wege“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) den Auftrag, die geltenden Regelwerke für diesen Bereich, die „Zusätzlichen Technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für die Befestigung ländlicher Wege – ZTV LW 99/01 mit Änderungen und Ergänzungen Ausgabe 2007“ grundlegend zu überarbeiten. Dabei sollte die Systematik beibehalten werden, alle bisher geregelten Bauweisen im Ländlichen Wegebau in einem geschlossenen Regelwerk fortzuschreiben. „asphalt“ sprach mit dem Leiter der Bearbeitergruppe Asphalt des Arbeits ausschusses 6.5, Michael Neliepp, über das neue Regelwerk. Ländlicher Hauptwirtschaftsweg in Asphaltbauweise zur weitmaschigen Erschließung der Feldflur. (Quelle: Neliepp) asphalt: Herr Neliepp, warum mussten die ZTV/ TL LW überarbeitet werden? Michael Neliepp: Die Regelungen der zuvor gültigen ZTV LW 99/01 passten an vielen Stellen nicht mehr in die aktuelle Umgebung der weiteren Regelwerke. Schon grundsätzlich musste aufgrund der harmonisierten Europäischen Normung die Aufteilung in ZTV LW 16 und TL LW 16 vorgenommen werden. Während die ZTV LW 16 noch die Regelungen zur Bauausführung beinhalten, enthalten die TL LW 16 nun separiert die Regelungen zu Eigenschaften, Klassen oder Anforderungen an die verwendeten Baustoffe, Baustoffgemische oder Bauprodukte. Bei allen in den ZTV/TL LW 16 enthaltenen Bauweisen, wie Schichten ohne Bindemittel, Pflaster-, Beton- und nicht zuletzt dem Asphalt, wurden technische Neuerungen eingearbeitet. Ein Beispiel aus dem Asphalt: Bei den Siebdurchgängen für alle Asphaltmischgüter wurde der Siebdurchgang für Füller bei 0,063 mm statt vorher 0,09 mm übernommen. Weiterhin befindet sich die Richtlinie für Ländlichen Wegebau (RLW) in Überarbeitung, wo absehbar weitere Veränderungen enthalten sein werden und Anpassungen in den ZTV/TL LW 16 erforderlich machten. 3|2017

Schwerpunkt: Ländlicher Wegebau 15 Geben Sie uns bitte einen kurzen Überblick: Auf welche wesentlichen Änderungen müssen wir uns einstellen? Ein Leitsatz bei der Überarbeitung war, die bisher bewährten Bauweisen und Baustoffzusammensetzungen so weit wie möglich in ihrer Konzeption unverändert fortzuschreiben. Daher sind im Bereich der Asphaltbauweisen eher formale Änderungen als wirklich komplett neue Umsetzungen vorhanden. Dennoch sind folgende Veränderungen bei den Asphaltbauweisen als wesentlich anzusehen: • Zunächst wäre die grundsätzliche Neubenennung der Asphaltmischgutsorten zu nennen. Alle im Ländlichen Wegebau vorhandenen Sorten sind mit der nationalen Ergänzung zur Verwendung mit dem Kürzel LW am Ende gekennzeichnet, z. B.: AC 16 TD LW – ein Asphalttragdeckschichtmischgut mit Größtkorn 16 mm im Ländlichen Wegebau. • Alle Asphalte im Ländlichen Wegebau entsprechen einem Asphaltbeton nach DIN EN 13108, Teil 1 und bedürfen somit einer CE-Kennzeichnung, um in Verkehr gebracht werden zu dürfen. Die Regelungen der DIN EN 13108, Teil 20 (Erstprüfung) und Teil 21 (Werkseigene Produktionskontrolle) wurden im Regelwerk aufgenommen. • Bisher waren statische Maximalzugaben 25 % bzw. 50 % für Asphaltrecycling vorgegeben. Nun berechnen sich die maximalen Zugabemöglichkeiten anhand der Gleichmäßigkeitsformel für Asphaltgranulat nach TL AG bzw. nach den anlagentechnischen Möglichkeiten nach M WA. • Der maximale Erweichungspunkt Ring und Kugel EPRuK des Bindemittels in der Kontrollprüfung variiert nun nach vorgegebener Bindemittelsorte. Im Ländlichen Wegebau sind nur zwei Sorten – Straßenbaubitumen 160/220 und 70/100 – zugelassen. Resultierend darf nach ZTV LW 16 bei der weicheren Vorgabe 160/220 ein EPRuK von 51,0 °C, bei der Vorgabe von 70/100 ein EPRuK von 59,0 °C nicht überschritten werden. Zuvor waren pauschal 57 °C geregelt. • Die Mindestbindemittelgehalte in den Anforderungstabellen aller Asphaltmischgutsorten beziehen sich nun einheitlich auf eine Gesteinsrohdichte 2,65 g/cm³. Werden Gesteine mit einer anderen Rohdichte verwendet, ist nun der Mindestbindemittelgehalt im Verhältnis anzupassen. • In den TL LW 16 sind bei den Asphaltdeckschichten und Asphalttragdeckschichten Anforderungen an Schlagzertrümmerung der Gesteinskörnungen aufgenommen worden. Ebenso werden bei allen Asphaltsorten Anforderungen an den Widerstand gegen Frostbeanspruchung der Gesteine gestellt. Dabei stehen verschiedene Kategorien dem Auftraggeber gleichwertig zur Auswahl, um die Bauausschreibung optimal auf seine regional bzw. klimatisch vorhandenen Gegebenheiten abstimmen zu können. Im Bereich der Gesteinskörungen kann daher beispielsweise neben F4 = nicht frostsicheres auch F1 = frostsicheres Gestein ausgewählt werden. • Bei allen Asphaltschichten im Ländlichen Wegebau wurden die Anforderungen an den Hohlraumgehalt prüfungsbedingt um 0,5 % abgesenkt. Bei den Asphaltdeckschichten ist darüber hinaus der maximal zulässige Hohlraumgehalt von ursprünglich 7 Vol.-% auf 5,5 Vol.-%, also zusätzlich um ein weiteres Prozent, abgesenkt worden. Ziel der Maßnahme ist die Herstellung dichterer Asphaltdeckschichten. • Die Mindesttemperaturen des Asphaltmischguts bei der Anlieferung am Fertiger sind für alle Sorten auf 140 °C bei Verwendung Straßenbaubitumens 70/100 und 130 °C bei 160/220 angepasst worden. Dadurch soll auch bei ungünstigeren Randbedingungen sichergestellt werden, dass das Mischgut noch ausreichend in der Schicht verdichtet werden kann. In die gleiche Richtung zielt auch die Anpassung der Mindest-Lufttemperaturen für den Einbau. Diese richten sich nun nach Asphaltmischgutart und – neu – der vorgesehenen Schichtdicken. Dünnere Schichten dürfen erst bei ausreichend hohen Lufttemperaturen eingebaut werden. • Die bisherige „Abnahmeverweigerung“ wurde durch den „wesentlichen Mangel“ nach VOB ersetzt. Über- bzw. Unterschreitungen von Grenzwerten in der Kontrollprüfung ggf. über Toleranzen hinaus ermöglichen dem Auftraggeber, die mangelhafte Leistung über das Angebot eines Abzugs abzunehmen. Die Abgrenzungen und Formeln dazu sind unter Berücksichtigung geänderter Prüfverfahren im Wesentlichen gleich geblieben. Ausnahme bildet die Abzugsformel für Überschreitungen des Hohlraumgehalts bei Asphaltdeckschichten im Ländlichen Wegebau. Die Absenkung des Anforderungswertes um ein zusätzliches Prozent erforderte die Streckung der früheren Abzugsformel, da der Wert, ab dem ein wesentlicher Mangel anzusetzen ist, praktisch gleich geblieben ist. Neu gebaute Asphalttragdeckschicht AC 16 TD LW mit ungebundenem befestigtem Seitenstreifen. 3|2017

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